Wirkungstreffer gegen Gotha

Samstagabend gegen 21 Uhr in der ausverkauften „Blauen Hölle“: Lange Gesichter, enttäuschte Blicke und Frustration auf der einen Seite – Jubel und Erleichterung auf der anderen.

Im hochemotionalen Thüringen-Derby zwischen den Oettinger Rockets Gotha und Science City Jena müssen sich die Gastgeber mit 87:97 (50:59) geschlagen geben und kommen zu der bitteren Erkenntnis, dass sie sportlich noch keinen Anspruch auf den Titel „Nummer 1 in Thüringen“ erheben können. Zudem rutschen die Rockets in der Tabelle auf den 15. Platz und schweben nun als Vorletzter in unmittelbarer Abstiegsgefahr.

Dabei sah es zu Beginn der Partie noch durchaus verheißungsvoll aus: Chase Griffin erzielt per Korbleger die ersten Punkte der Partie und die Rockets erspielen sich im Laufe des ersten Viertels einen Sieben-Punkte-Vorsprung (18:11, 5. Minute). Doch die Gäste besinnen sich, drehen den Spieß um und markieren nun ihrerseits sieben Punkte in Folge. Das Spiel ist jetzt wieder ausgeglichen und bleibt es bis zum Viertelende (26:26).

In der 13. Spielminute, beim Spielstand von 32:31, legt Jena erneut einen Lauf hin: Zweimal punktet Sanijay Watts aus der Nahdistanz und zweimal Tim Schwartz von der Dreierlinie. Wirkungstreffer, die sitzen. Es steht 32:41 – und die Rockets befinden sich (wieder einmal) in der unangenehmen Situation, einem Rückstand hinterherzulaufen. In den darauffolgenden Minuten wächst Jenas Vorsprung sogar auf 12 Punkte an, doch Chase Griffin hält dagegen und verwandelt kurz vor der Sirene noch einen Dreier zum Halbzeitstand von 50:59.

Die Gothaer Fans haben zu diesem Zeitpunkt noch Hoffnung – neun Punkte sind durchaus aufzuholen. Zunächst sieht’s auch ganz gut aus: In der 23. Minute eröffnet Albert Kuppe mit einem Dreier einen Sieben-Punkte-Zwischenspurt der Rockets, der die Mannschaft in der Folge bis auf zwei Pünktchen an ihren Gegner heranschiebt (67:69, 25. Minute). Doch zwei Minuten später kassiert Griffin, erneut Gothas bester Scorer, zwei Fouls kurz nacheinander und wird sicherheitshalber erstmal von Head Coach Christoph Nicol auf die Bank beordert. Die Gäste nutzen die Gunst der Stunde und schaffen es in dieser Phase, den Abstand wieder auf sieben Zähler zu vergrößern.

Zu Beginn des Schlussviertels scheinen die Rockets unkonzentriert und kraftlos, besonders defensiv haben sie nichts mehr entgegenzusetzen. Science City präsentiert sich wacher, provoziert mittels intensiver Verteidigung zahlreiche Ballverluste auf Gothaer Seite und verhindert so eine weitere Aufholjagd der Heimmannschaft. Souverän spielen die Jenaer ihr Spiel herunter, fügen ihrem Lokalrivalen eine schmerzhafte Niederlage bei und können anschließend mit ihren etwa 150 mitgereisten Anhängern den Derbysieg feiern.

Georg Eichler, Jenas Head Coach, sagte nach dem Spiel erleichtert: „Ich bin sehr zufrieden. Wir wollten das Abstiegsgespenst endgültig vertreiben – und wir wollen um jeden Preis in die Playoffs. Man hatte uns nach unserer jüngsten Niederlagenserie schon fast abgeschrieben und ich bin sehr froh, dass wir jetzt diesen wichtigen Schritt nach vorn gemacht haben. Meine Mannschaft war hoch motiviert und hat toll gespielt.“

Ganz und gar nicht zufrieden war Christoph Nicol: „Offensiv haben wir zwar einen guten Job gemacht, aber defensiv hat uns heute wieder die nötige Intensität gefehlt. Jena macht 66 Punkte in unserer Zone, Watts und Roquette treffen jeweils 100 Prozent aus dem Feld! Wir haben viel zu viele einfache Punkte abgegeben,“ sagt er nach der Partie und spricht damit genau den Punkt an, der ihm richtig schwer im Magen liegt. „Spätestens nach dieser Niederlage sollte allen klar sein, worum es jetzt geht. Wir müssen begreifen, dass wir im Abstiegskampf nur bestehen können, wenn wir hart spielen, hart verteidigen. Wir müssen in der Defense richtig Gas geben!“

Genau darauf soll in der anstehenden Trainingswoche der Fokus liegen – auf der Verteidigung. Denn die kommenden Aufgaben werden nicht einfacher: Am kommenden Samstag steht das Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten BG Göttingen an, bevor dann am 9. März die ETB Wohnbau Baskets Essen zum nächsten Heimspiel in Gotha erwartet werden.

Oettinger Rockets Gotha – Science City Jena 87:97 (50:59)

Viertel: 26:26 / 24:33 / 26:24 / 11:14

Oettinger Rockets Gotha: Person (5 Punkte / 3 von 4 Freiwürfen), Griffin (24 / 3 von 3 FW / 3 Dreier), Watson (10 / 2 von 2 FW / 2 D), Niebuhr (23 / 7 von 9 Freiwürfen), Kreis (4), Schaffrath (0), Baker (8 / 4 von 4 FW), Selvig (0), Kuppe (13 / 6 von 8 FW / 1 Dreier)

Science City Jena: Sim (0), Reyes-Napoles (3), Schwartz (11), Wysocki (8), Jeka (17), Adomaitis (7), Peric (0), Barker (15), Strauß (0), Watts (18), Roquette (18)

Zweier Gotha: 22 von 39 (56 %)

Zweier Jena: 33 von 46 (72 %)

Dreier Gotha: 6 von 14 (43 %)

Dreier Jena: 7 von 16 (44 %)

Freiwürfe Gotha: 25 von 30 (83 %)

Freiwürfe Jena: 10 von 16 (63 %)

Rebounds Gotha: 23 (8 Offense / 15 Defense)

Rebounds Jena: 29 (10 Offense / 19 Defense)

Assists Gotha: 11

Assists Jena: 18

Turnover Gotha: 21

Turnover Jena: 22

Zuschauer: 1.500 (ausverkauft)

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