„Wir haben ein Spiel verloren, nicht die Serie!“

Noch nie in dieser Saison hat Chris Ensminger schon drei Minuten vor Spielende mit seinen Schützlingen abklatscht. Das änderte sich gestern Abend in der Schlussphase der dritten Partie des Playoff-Halbfinales zwischen den s.Oliver Baskets und den Oettinger Rockets. Zu diesem Zeitpunkt lag „Enses“ Team mit 53:79 hinten. Gothas Head Coach erkannte die Überlegenheit der Hausherren an, richtete den Blick nach vorne und gab sowohl Spielern als auch Fans ein unmissverständliches Signal: Abhaken! Wir haben ein Spiel verloren, aber nicht die Serie. Schließlich müssen die Würzburger am morgigen Sonntag (Tip-Off: 17 Uhr) noch einmal in der „Blauen Hölle“ antreten: dem einzigen Ort, an dem sie in dieser Saison bereits zweimal leer ausgegangen sind.

In heimischen Gefilden sind die Baskets jedoch eine Macht. Das stellten sie gestern einmal mehr unter Beweis, als sie die Gothaer mit 81:61 (34:31) besiegten. Somit verbuchten sie saisonübergreifend ihren 34. ProA-Heimsieg in Folge und gingen in der Best-of-five-Serie gegen die Rockets mit 2:1 in Führung. Wenngleich das Ergebnis etwas zu deutlich ausfiel, so bestand letztlich jedoch kein Zweifel, dass die Würzburger verdient gewonnen hatten.

Danach sah es in den Anfangsminuten überhaupt nicht aus. Denn die Gäste aus Gotha erwischten einen blendenden Start: allen voran Brad Lösing. Der Point Guard der Rockets erzielte in den ersten drei Minuten der Partie elf Punkte. Nach einem Korbleger zum 2:0 versenkte er drei Dreier in Folge zum 11:3 (3.). Beflügelt von diesem Feuerwerk setzten die Rockets mit den bewährten Mitteln energisch nach. Mitte des zweiten Viertels brachte Albert Kuppe seine Mannschaft mit einem Dreier erstmals zweistellig in Führung (27:16 / 15.).

Doch im Anschluss verschob sich das Momentum peu à peu. Plötzlich kamen die Baskets besser in Fahrt. Für Würzburgs Head Coach Doug Spradley war es rückblickend der Schlüssel zum Erfolg, dass seine Mannschaft just in dieser Phase „endlich aufgewacht“ ist. Allerdings hatten die Rockets – anders als noch zu Beginn der Partie – nun auch in einigen Situationen Pech. Nicht zuletzt deshalb konnte Würzburg den frühen Rückstand zügig aufholen und schließlich mit einer knappen Führung (34:31) in die Pause gehen.

Nach dem Seitenwechsel folgten die entscheidenden Minuten. Nun waren es die Gastgeber, die wesentlich besser aus den Startlöchern kamen. Innerhalb von 108 Sekunden erzielten sie zehn Punkte in Folge, die einen viertelübergreifenden 17:0-Lauf zum 44:31 (22.) abrundeten. Hingegen fanden die Rockets in dieser Phase des Spiels kaum ein probates Mittel gegen die Zonenverteidigung der Würzburger. Die liefen in der Folge heiß und trafen selbst die schwierigsten Würfe: vor allem von außen. Unterm Strich versenkten sie in dieser Begegnung 13 von 19 Dreipunkt-Würfen und kamen somit auf eine bärenstarke Quote von 68 Prozent – allein acht Dreier landeten in der zweiten Halbzeit im Korb der Gothaer.

„Gegen die Top-Mannschaft der Liga reicht es natürlich nicht, 15 Minuten sehr gut zu spielen – jedes Spiel dauert 40 Minuten. Es ist also vollkommen klar, was wir in der nächsten Begegnung besser machen müssen“, sagte Chris Ensminger nach der Partie und fügte kämpferisch hinzu: „Wir haben heute ein Spiel verloren, aber die Serie ist noch lange nicht entschieden. Am Sonntag wollen wir mit der lautstarken Unterstützung unserer fantastischen Fans natürlich alles daran setzen, den Ausgleich und ein fünftes Spiel zu erzwingen!“

Obwohl die Baskets morgen einen Matchball haben und mit dem dritten Sieg sowohl den Einzug ins Finale der Playoffs als auch den direkten Wiederaufstieg dingfest machen können, sind sie sich ihrer Sache offensichtlich nicht so sicher. Jedenfalls wird auf der Website der Würzburger bereits das fünfte Spiel für nächsten Dienstag (Tip-Off: 19.30 Uhr) angekündigt.

Sollte es wider Erwarten anders kommen, würde die „Blaue Hölle“ morgen dennoch gewaltig beben und das Rockets-Team gebührend gefeiert. So wie gestern in Würzburg, als die Fans in der Schlussphase mit großer Euphorie die erfolgreichste Saison seit dem Aufstieg in die ProA besangen: „Die Nummer eins, die Nummer eins, die Nummer eins im Land sind wir…“

s.Oliver Baskets – Oettinger Rockets Gotha 81:61 (34:31)

Viertel: 11:20 / 23:11 (34:31) /  24:13 (58:44) / 23:17 (81:61)

s.Oliver Baskets: Dourisseau (23:06 Minuten / 15 Punkte / 2 Assists / 3 Rebounds), Medlock (34:12 / 23 / 5 / 3), Ebert (1:11), Ugrai (16:54 / 8 / 0 / 4), Spoden (23:06 / 9 / 2 / 4), Hoffmann (4:37 / 0 / 0 / 1), Betz (19:20 / 11 / 0 / 2), Mallett (16:54 / 3 / 2 / 5), Schneider (nicht eingesetzt), Dunbar (20:40 / 0 / 2 / 3), Fenn (23:54 / 5 / 2 / 7), Givens (16:06 / 7 / 0 / 3),

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (31:37 Minuten / 10 Punkte / 5 Assists / 4 Rebounds), Razis (18:13 / 0 / 2 / 0), Fülle (20:17 / 1 / 2 / 1), Hoffmann (10:09 / 7 / 1 / 4), Harris (14:32 / 3 / 1 / 1), Vest (18:08 / 2 / 0 / 2), Völler (22:30 / 6 / 1 / 3), Reinke (18:45 / 12 / 1 / 5), Lösing (24:59 / 15 / 1 / 2), Kuppe (20:50 / 5 7 1 / 3)

Zweier Würzburg: 16 von 40 (40 Prozent)

Zweier Gotha: 16 von 46 (46 Prozent)

Dreier Würzburg: 13 von 19 (68 Prozent)

Dreier Gotha: 6 von 20 (30 Prozent)

Freiwürfe Würzburg: 10 von 10 (100 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 11 von 17 (65 Prozent)

Rebounds Würzburg: 36 (9 Offense / 27 Defense)

Rebounds Gotha: 26 (8 Offense / 18 Defense)

Assists Würzburg: 15

Assists Gotha: 15

Ballverluste Würzburg: 14

Ballverluste Gotha: 12

Ballgewinne Würzburg: 5

Ballgewinne Gotha: 6

Zuschauer: 3140 (ausverkauft)

Bilder-Album zum Spiel von Christian Bomberg.

Spielbericht der s.Oliver Baskets.