Start-Ziel-Sieg mit leichten Turbulenzen

Es bleibt dabei: Die NINERS Chemnitz zählen in Gotha weiterhin zu den gerne gesehenen Gästen. Zum vierten Mal schickten sich die Sachsen gestern Abend an, die nahezu ausverkaufte „Blaue Hölle“ zu erobern. Zwar war der Tabellenneunte letztlich näher dran an einem Sieg in Gotha als je zuvor, dennoch verfehlte er abermals sein Ziel. Denn am Ende einer umkämpften und stimmungsvollen Partie behielten die Oettinger Rockets mit 76:72 (38:25) die Oberhand.

Somit gelang den Hausherren, die im Jahr 2016 in heimischen Gefilden nach wie vor ungeschlagen sind, der neunte Heimerfolg der laufenden Saison und der dritte Sieg in Folge. Deshalb stehen für den Tabellenvierten nach dem 20. Spieltag der Hauptrunde insgesamt 14 Siege auf der Habenseite und somit einer mehr als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Spielzeit.

Schlüssel für den Start-Ziel-Sieg war ein bärenstarkes erstes Viertel. Anders als noch beim X-Mas-Game in Chemnitz, als zunächst die NINERS die Begegnung bestimmten, drückten die Rockets der Partie vor allem in den Anfangsminuten ihren Stempel auf: Sie rissen das Geschehen und die Führung an sich und gaben diese im gesamten Spiel nicht wieder ab. Wegweisend für den 10:0-Auftakt-Run war nicht zuletzt die starke Defense, die den Gästen in den ersten fünf Minuten nichts Zählbares und im gesamten im ersten Viertel lediglich vier Punkte genehmigte. Hingegen gelangen den Rockets, die den Ball in der Offense gut bewegten, im gleichen Zeitraum insgesamt 17 Zähler. Maßgeblichen Anteil daran hatte Joe Lawson: Gothas Big Man erzielte die ersten Punkte (2:0 / 2.), sorgte mit einem krachenden Dunk (8:0 / 4.) für das erste Highlight und brachte es allein in der ersten Halbzeit auf 18 Punkte bei 100 Prozent Trefferquote aus dem Feld (5 von 5 Zweiern / 2 von 2 Dreiern / 2 von 3 Freiwürfen).

Zu Beginn des zweiten Abschnitts konnten die Rockets die Führung zunächst auf 17 Punkte (21:4 / 12.) ausbauen – das sollte zugleich der größte Vorsprung der gesamten Partie gewesen sein. Denn im Anschluss fingen sich die Chemnitzer. Fortan begegneten sie den Gothaern auf Augenhöhe. Spiegelbild dessen war der Ausgang des zweiten Viertels (21:21), in dem vor allem Chemnitz’ Top-Scorer Nathan Buss langsam, aber sicher Fahrt aufnahm. Der 2,06 Meter große NINERS-Forward, den die Gothaer im Hinspiel noch bei sechs Punkten halten konnten, versenkte allein im zweiten Durchgang neun Punkte – allesamt mit erfolgreichen Dreiern.

Während die Gäste unmittelbar nach dem Seitenwechsel ihre stärkste Phase erwischten, hatten die Gastgeber einen Durchhänger. Das Zünglein an der Waage waren dabei einmal mehr die Ballverluste. Standen bis zur Pause lediglich vier Turnover für Gotha zu Buche, so waren es allein im dritten Viertel sieben. Chemnitz nutzte die Gunst der Stunde und verkürzte mit einem 10:0-Lauf auf 42:39 (26.).

Alles war wieder offen, Rockets-Coach Chris Ensminger alles andere als „amused“. Doch seine Schützlinge ersparten ihm Schlimmeres und antworteten ihrerseits mit sechs Punkten in Folge, kurz darauf versenkte Gerard Gomila einen wichtigen Dreier zum 52:42 (30.).

In den ersten fünf Minuten des Schlussdurchgangs lieferten sich beide Seiten einen offenen Schlagabtausch und punkteten abwechselnd. Mitte des Viertels drehte dann vor allem Delvon Johnson auf: Innerhalb von zwei Minuten markierte er sieben Punkte – die letzten beiden mit einem krachenden Alley-Oop-Dunk (66:55 / 35.). Wenig später lösten die Fans die erste La-Ola-Welle aus.

Obwohl die NINERS bis zur letzten Sekunde unverdrossen fighteten – auf Schlagdistanz kamen sie nicht nochmal heran. Das lag nicht zuletzt daran, dass sie zunehmend in Foul-Trouble kamen und in den letzten beiden Minuten erst Robert Cardenas vom Feld musste, kurz darauf Virgil Matthews und schließlich noch Nathan Buss, mit 25 Punkten Top-Scorer der Begegnung. Zudem bewiesen die Rockets beim finalen Stop-the-Clock-Spiel Nervenstärke und versenkten acht von acht Freiwürfen. Deshalb war Dashaun Wiggins Buzzer Beater zum 76:72 lediglich noch Ergebniskosmetik.

„Natürlich freue ich mich für meine Mannschaft und unsere Fans, die uns wieder sensationell unterstützt haben“, sagte Chris Ensminger nach dem Spiel und lobte die starke Leistung im ersten Viertel, in dem sein Team mit intensiver Verteidigung den Grundstein für den Erfolg legte. Hingegen haderte er damit, dass sich nach der Halbzeitpause zu viele Fehler eingeschlichen haben und es nicht mehr so rund lief wie zu Beginn. Deutlich ablesen lässt sich das auch an Joe Lawsons Ausbeute: Nach 18 Zählern in der ersten Hälfte gelang ihm kein weiterer mehr, wobei er nach dem Seitenwechsel auch „nur“ noch zwei Würfe nahm. Dennoch war er am Ende Top-Scorer seiner Mannschaft.

Chris Ensminger betonte: „Heute hat sich einmal mehr gezeigt, dass es in dieser Liga keine einfachen Spiele gibt und jede Partie mindestens 40 Minuten geht, nicht nur zehn. Die NINERS haben super gekämpft, uns mehr abverlangt als beim X-Mas-Game in Chemnitz und uns vor allem mit ihren Dreiern und den Offensiv-Rebounds einige Probleme bereitet. Für uns heißt das: Wir müssen unbedingt konstanter spielen – vor allem in der Verteidigung!“

Diese Einschätzung ist nicht zuletzt mit Blick auf die bevorstehenden Begegnungen von Bedeutung. Denn nach dem Heimsieg gegen die NINERS Chemnitz stehen den Rockets zwei schwere Auswärtspartien bevor: Am kommenden Samstag müssen sie zunächst bei den Gladiators Trier antreten, eine Woche später dann beim starken Aufsteiger Hebeisen White Wings Hanau.

Oettinger Rockets Gotha – NINERS Chemnitz 76:72 (38:25)

Viertel: 27:4 / 21:21 (38:25) / 14:19 (52:44) / 24:28 (76:72)

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (31:06 Minuten / 4 Punkte / 4 Assists / 4 Rebounds), Riewer (18:48 / 12 / 0 / 2), Razis (24:25 / 6 / 4 / 2), Abdulkader (nicht eingesetzt), Durant (5:41), Dejworek (nicht eingesetzt), Lodders (17:19 / 9 / 1 / 4), Woods (14:37 / 2 / 1 / 2), Johnson (24:13 / 15 / 0 / 6), Lawson (26:49 / 18 / 1 / 4), Völler (21:13 / 5 / 1 / 3), Gomila (15:49 / 5 / 3 / 3)

NINERS Chemnitz: Matthews (30:56 Minuten / 7 Punkte / 5 Assists / 4 Rebounds), Fluellen (5:40 / 0 / 1 / 0), Mixich (24:56 / 5 / 7 / 3), Richter (9:03 / 2 / 0 / 1), Seiferth (29:41 / 14 / 1 / 7), Cardenas (10:19), Bellscheidt (10:35 / 2 / 0 / 1), Buss (31:39 / 25 / 1 / 9), Wiggins (14:13 / 9 / 2 / 3), Logins (32:58 / 8 / 2 / 6)

Zweier Gotha: 24 von 39 (62 Prozent)

Zweier Chemnitz: 19 von 38 (50 Prozent)

Dreier Gotha: 4 von 20 (20 Prozent)

Dreier Chemnitz: 9 von 26 (40 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 16 von 24 (67 Prozent)

Freiwürfe Chemnitz: 7 von 10 (70 Prozent)

Punkte von der Bank Gotha: 28

Punkte von der Bank Chemnitz: 13

Rebounds Gotha: 33 (9 Offense / 24 Defense)

Rebounds Chemnitz: 37 (13 / 24)

Assists Gotha: 16

Assists Chemnitz: 19

Ballverluste Gotha: 13

Ballverluste Chemnitz: 18

Ballgewinne Gotha: 6

Ballgewinne Chemnitz: 6

Zuschauer: 1842

Spielbericht der NINERS Chemnitz.

Bilder-Galerie I (Fotos: Christian Bomberg).

Bilder-Galerie II (Fotos: Sascha Fromm / Thüringer Allgemeine).

Bilder-Galerie III (Fotos: Wolfgang Gleichmar).