Sieg fürs Selbstvertrauen

Das Warten hat ein Ende: Im vierten Anlauf haben die Oettinger Rockets Gotha ihren ersten Sieg der Saison 2013/2014 verbucht. Am Ende einer abwechslungsreichen und umkämpften Partie setzte sich das Team von Head Coach Chris Ensminger gestern vor heimischer Kulisse gegen den weiterhin sieglosen Aufsteiger Bayer Giants Leverkusen mit 76:70 (40:28) durch.

Welchen Stellenwert dieser knappe Erfolg besitzt, stand den Hausherren nach der Schlusssirene im wahren Wortsinn ins Gesicht geschrieben. Während das Gros der 1211 Zuschauer ausgelassen den Sieg und die Mannschaft feierte, hielt sich die Euphorie bei Spielern, Trainern und Betreuern zunächst in Grenzen. Sie alle wirkten in erster Linie erleichtert, dass der Druck des „unbedingt Siegen-müssens“ in diesem Moment nicht mehr auf ihren Schultern lastete.

Deshalb war es allenfalls sekundär, wie dieses Erfolgserlebnis letztlich zustande kam. „Heute zählt in erster Linie der Sieg“, sagte Chris Ensminger nach dem ersten Pflichtspiel-Erfolg seiner jungen Trainer-Laufbahn. Der 39-Jährige lobte seine Schützlinge für einen couragierten Auftritt. Schließlich konnten sie kämpferisch restlos überzeugen – besonders in der Defense. Hingegen gab’s in der Offense zwar einige geniale Momente, allerdings gerieten die Triebwerke der Rockets hier immer wieder mal ins Stottern.

So wurde es nach der deutlichen Pausenführung am Ende noch einmal eng. Knapp drei Minuten vor Ultimo brachte Leverkusens Tony Watson, mit 33 Punkten Top-Scorer der Partie, die Gäste per Dreier wieder auf drei Zähler heran (69:66). Doch die Gothaer ließen sich den greifbar nahen Sieg nicht mehr aus der Hand nehmen. Sie fighteten in mehreren Situationen bis zum Umfallen und verteidigten die knappe Führung.

So ließ die Antwort auf Tony Watsons finale Kampfansage nicht lange auf sich warten: Im Gegenzug versenkte Chase Griffin seinen vierten Dreier (72:66 / 37.) in dieser Begegnung. Wenig später war der abermals überragende US-Boy zweimal von der Linie erfolgreich (74:70 / 39.), ehe Ali Fraser mit zwei weiteren sicher verwandelten Freiwürfen den 76:70-Endstand (40.) herstellte.

Ebenfalls mit zwei erfolgreichen Freiwürfen hatte Leo Niebuhr knappe zwei Stunden zuvor die ersten Punkte des Spiels markiert und somit das Signal für eine imposante Startphase gegeben. Kurz darauf versenkten Gary Johnson und Chase Griffin zwei Dreier in 30 Sekunden (8:1 / 3.). Doch die Giants ließen sich nicht überrennen, kämpften sich heran und ins Spiel. Auch deshalb kam ihr Coach Achim Kuczmann, der verletzungsbedingt auf zwei wichtige große Spieler verzichten musste, nach dem Match zu dem Schluss: „Mit dem Ergebnis kann ich natürlich nicht zufrieden sein, wohl aber mit der Art und Weise, wie wir uns hier verkauft haben!“

Richtig rund lief’s bei den Rockets im zweiten Viertel. Als Sinnbild zelebrierter Spielfreude darf rückblickend der Angriff betrachtet werden, den Gary Johnson mit einem Defensiv-Rebound einläutete, Chase Griffin mit einem Assist veredelte und Kapitän Torvoris Baker mit einem Dunking krönte (36:26 / 18.). Kurz zuvor hatte bereits Ali Fraser sechs Punkte in einer Minute markiert.

Weniger gut präsentierten sich die Hausherren jedoch zu Beginn des dritten Abschnitts. Ganze drei Minuten dauerte es, bis Leo Niebuhr die ersten Gothaer Punkte der zweiten Halbzeit erzielte (42:34 / 23.). Es folgten zwei Dreier der Giants – 42:40 (24.).

Für die vielleicht wichtigsten Punkte der zweiten Halbzeit sorgte indes Dmitrij Kreis. Er beendete das dritte Viertel Sekundenbruchteile vor der Sirene mit einem Dreier zum 58:50 (30.) und eröffnete den Schlussdurchgang mit einem weiteren erfolgreichen Distanzwurf zum 61:50 (31.). Diese beiden Treffer hob auch Chris Ensminger hervor: „Das waren zwei Big-Shots!“

Unterm Strich, das war dem Rockets-Coach bewusst, war es ein Sieg mit Licht und Schatten. Freilich stellte Chris Ensminger bei der abschließenden Pressekonferenz vor allem den positivsten Aspekt heraus: „Dieser Sieg war sehr, sehr wichtig fürs Selbstvertrauen und die bevorstehenden Aufgaben!“

Oettinger Rockets Gotha – Bayer Giants Leverkusen 76:70 (40:28)

Viertel: 17:17 / 23:11 / 18:22 / 18:20

Oettinger Rockets Gotha: Johnson (7 Punkte / – / 1 Dreier), Lipke (8 / 2 von 4 Freiwürfen), Griffin (22 / 4 von 4 / 4), Watson (4), Reilly, Niebuhr (6 / 2 von 2), Kreis (6 / – / 2), Fraser (18 / 4 von 6), Schaffrath (nicht eingesetzt), Heberlein, Baker (5 / 1 von 2), Selvig

Bayer Giants Leverkusen: Raß (2 / 2 von 2), Behrmann (3 / – / 1), Godek (10 / 1 von 2 / 3), Hallmann (nicht eingesetzt), Legankovas (3 / – / 1), Spöler (14 / 2 von 2), Watson (33 / 8 von 11 / 5), Sonnen (5 / 3 von 6), Kuczmann, Welling (nicht eingesetzt)

Zweier Gotha: 21 von 37 (57 Prozent)

Zweier Leverkusen: 12 von 28 (43 Prozent) 

Dreier Gotha: 7 von 24 (29 Prozent)

Dreier Leverkusen: 10 von 29 (34 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 13 von 18 (72 Prozent)

Freiwürfe Leverkusen: 16 von 23 (70 Prozent)

Rebounds Gotha: 42 (7 Offense / 35 Defense)

Rebounds Leverkusen: 31 (5 / 26)

Assists Gotha: 14

Assists Leverkusen: 7

Turnover Gotha: 12

Turnover Leverkusen: 13

Zuschauer: 1211

Spielbericht der Bayer Giants Leverkusen.