Oettinger Rockets chancenlos gegen junge Talente aus Baunach

Ausdrücke wie „mentaler Tiefpunkt“ und „absolutes Ausrufezeichen“ sind in der Pressekonferenz nach dem Spiel gefallen. Zuvor hatten die Oettinger Rockets ihr Heimspiel deutlich mit 79:94 verloren. Dennoch konnten sie sich die Play-Offs sichern. Durch ihren Auswärtssieg in der Messe Erfurt halten die Baunach Young Pikes die Klasse und spielen auch in der kommenden Saison in der 2. Basketball-Bundesliga ProA.

 

Über das Erreichen der Play-Offs haben sich an diesem Abend nicht viele gefreut. Nur Gäste-Coach Fabian Villmeter beglückwünschte die Oettinger Rockets. Weil nur noch ein reguläres Saisonspiel aussteht und Hamburg in Crailsheim knapp verloren hat, konnten sich die Raketen überhaupt die Teilnahme sichern. Im Verhältnis zum Rockets-Spiel ist das eine gigantische Ausbeute.

 

„Ich finde es schade und traurig, dass ich es wieder sagen muss, aber es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison: Die Mannschaft ist nicht in der Lage, die Intensität des Gegners aufzunehmen. Sie sollen kämpfen und hart verteidigen“, forderte Wolfgang Heyder, Leiter Sport und Geschäftsentwicklung bei den Oettinger Rockets. Bis auf Kullamäe nimmt er mit Gibbs, Watts, Mitchell und Hicks vor allem die vier ausländischen Spieler in die Verantwortung, „die in der Verteidigung nicht im Geringsten ein Opfer gebracht haben.“ Heyder habe kein Problem damit, zu verlieren, „aber wir müssen Biss haben und uns aufopfern. Das habe ich bei uns nicht gesehen.“

 

„Baunach war überlegen – von Anfang an“, gestand Florian Gut, Assistant Coach der Raketen. Er stellte sich in der Pressekonferenz. Head Coach Ivan Pavic wollte währenddessen von den Spielern Antworten haben. „Sie können sich sicher vorstellen, dass es jetzt sehr viel Gesprächsbedarf gibt. Wir haben direkt nach dem Spiel damit angefangen“, meinte Gut. So ergebe die Aufteilung am meisten Sinn.

 

Florian Gut wurde deutlich: „Wie wir in den letzten drei Partien aufgetreten sind, ist nicht akzeptabel. Wir haben dreimal in Folge schlecht gespielt. Darum wollen auch wir eine Erklärung von den Spielern.“ Nach den angesprochenen vergangenen drei Spielen – gleichbedeutend mit drei Niederlagen – muss sich die Mannschaft ein Einstellungsproblem vorwerfen lassen. Laut Gut haben die Spieler in diesem Punkt widersprochen. Das habe er noch mitbekommen, bevor er zur Pressekonferenz ging.

 

Schon im ersten Viertel (21:29) legten die jungen Talente aus Oberfranken los wie die Feuerwehr. Sie trafen 71 Prozent ihrer Würfe und zeigten vor allem in der ersten Halbzeit ansehnlichen Team-Basketball. Das gelang den Raketen nicht. Besonders im zweiten Spielabschnitt stellten sie im negativen Sinn die Weichen für den Spielverlauf. Baunach konnte seinen Vorsprung um 14 Punkte ausbauen (11:25). Damit lagen die Oettinger Rockets schon zur Halbzeit mit 22 Punkten hinten und ließen über 50 gegnerischen Punkte zu (32:54).

 

Mit einer anderen Einstellung zum Spiel war solch ein Rückstand im Basketball noch aufzuholen. Das blieb ihnen verwehrt. Die Young Pikes – mit einem Autersdurchschnitt von knapp unter 20 Jahren – spielten die Partie souverän zu Ende. Zwar konnten die Raketen in der zweiten Hälfte sieben Punkte aufholen, doch die Gäste ließen in der Messe Erfurt nicht einmal mehr Spannung aufkommen.

 

„Baunach ist heute in Bestbesetzung aufgetreten“, meint Wolfgang Heyder. Aleksej Nikolic und Leon Kratzer waren dabei. Die beiden helfen des öfteren bei Brose Bamberg aus, die als bestes deutsche Basketball-Team gelten. Heyder: „Kratzer und Nikolic würden in der BBL bei jedem Verein ab dem neunten Platz in der ersten Fünf spielen. Das entschuldigt aber nicht, mit welcher Intensität wir auftreten.“

 

Wolfgang Heyder, der nach dem Spiel verbal angegriffen wurde, ist sportlich selbst höchst unzufrieden: „Ich kann die Enttäuschung der Fans verstehen. Ich bin nach dem Spiel persönlich massivst beschimpft worden. Das wiederum enttäuscht mich sehr.“ Ansonsten lobten er und Florian Gut das Auftreten der Fans. Gut: „Wenn die Spieler solch eine Performance auf das Feld bringen würden wie es die Fans vorleben, dann wäre das Ergebnis heute ein anderes.“

 

Weiterhin ist der Assistant Coach der Meinung, dass „sich unserer Einschätzung nach vom Potenzial der Mannschaft nichts verändert hat. Damit auch nicht die Zielsetzung. Das gilt für die Play-Offs und vor allem für das nächste Spiel.“

 

Am kommenden Samstag spielen die Raketen in Essen. Dies ist das letzte Spiel der regulären Saison. Das erste Play-Off-Auswärtsspiel – gegen wen wird sich noch entscheiden – steht für den 7. April im Terminkalender. Am 9. April, um 18 Uhr, müssen dann die Oettinger Rockets in der Messe Erfurt zeigen, dass sie noch gemeinsam Basketball spielen können.