Rockets und Fans mit höllisch gutem Teamwork

Ende gut, fast alles gut: Die Oettinger Rockets haben ihr letztes Heimspiel des Jahres 2015 gewonnen. Das Team von Head Coach Chris Ensminger setzte sich gestern Abend im Duell der Tabellennachbarn gegen die Hamburg Towers mit 72:62 (25:32) durch. Mit diesem imposanten Comeback-Sieg behaupteten die Gothaer den vierten Platz der Tabelle und können vor dem letzten Spiel der Hinrunde fast auf den Punkt genau die identische Bilanz wie zum gleichen Zeitpunkt der Saison 2014/2015 vorweisen: sowohl was die Anzahl der Siege (9) und Niederlagen (5) betrifft als auch die Summen der erzielten Punkte (letzte Saison: 1070 / aktuell: 1065) und der kassierten Zähler (letzte Saison: 1018 / aktuell: 1005).

Schlüssel zum Erfolg war in erster Linie höllisch gutes Teamwork im besten Sinne: Denn just in jener Phase, als die Partie kurz nach dem Seitenwechsel beim Stand von 27:38 (22.) zu entgleiten drohte, nahm Chris Ensminger eine Auszeit und rüttelte seine Schützlinge mit einer Ansprache wach, die bis in die letzte Ecke der gut gefüllten „Blauen Hölle“ zu hören war. Parallel dazu entfachte Heiko Nicol als unermüdlicher Einpeitscher vom Dienst das Feuer auf den Rängen neu, das nach dem guten Start und dem schwachen zweiten Viertel (5:20) zwischenzeitlich einer Art Schockstarre gewichen war.

Zwar ließ sich bei beiden Weckrufen nicht jedes einzelne Wort mit dem „Knigge“ in Einklang bringen, doch der Zweck heiligte in diesem Fall die Mittel. Mit einem Schlag erreichte der Lautstärkepegel die Dimensionen vom jüngsten Thüringen-Derby, als der aktuelle Spitzenreiter in der „Blauen Hölle“ seine bis dato einzige Niederlage der laufenden Saison kassierte.

Passend dazu starteten die Rockets auch im Spiel gegen Hamburg noch einmal komplett neu durch und einen fulminanten 15:0-Lauf. Grundstein dafür war eine deutliche Steigerung der Intensität in der Defense. Vor allem deshalb konnte innerhalb von fünf Minuten aus dem einzigen zweistelligen Rückstand in dieser Begegnung (27:38 / 22.) eine knappe Führung (42:38 / 26.) gemacht werden.

Maßgeblichen Anteil an der Aufholjagd hatte Joe Lawson: Der Big Man der Rockets rackerte unermüdlich unterm Korb der Gäste, schloss entweder erfolgreich ab oder war nur durch Fouls zu stoppen und verwandelte seine Freiwürfe sicher. So erzielte er allein in dieser wichtigen Phase der Partie 8 Punkte, inklusive 4 von 4 Freiwürfen.

Während Joe Lawson mit Kampfgeist und Einsatz überzeugte, sorgte Carlton Guyton wenig später für das spielerische Highlight des Abends, als er von der Dreierlinie zum Korb zog, abhob, unterm Korb durchtauchte, den Ball in der Luft von der linken auf die rechte Hand wechselte und schließlich in bester MJ-Manier zum 45:40 (28.) in den Ring beförderte. Allerspätestens zu diesem Zeitpunkt waren die Rockets wieder im Geschäft.

Dennoch gelang es Hamburg noch einmal, in Führung zu gehen (45:46 / 29.). Doch abermals war es Joe Lawson, der mit einem Dreier die passende Antwort gab (48:46 / 30.). Schließlich markierte Marco Völler viertelübergreifend acht Punkte in Folge zum 56:50 (33.); nach einer kurzen Verschnaufpause ließ Gothas Kapitän noch einen krachenden Dunk zum 61:56 (36.) folgen. Ungeachtet dessen ließen sich die Hamburger nicht abschütteln; deshalb fiel die endgültige Entscheidung erst kurz vor Spielende.

Für den Schlusspunkt der Begegnung zeigte sich dann wieder Carlton Guyton zuständig. Drei Sekunden vor Ultimo spielte „Scootie“ beim Einwurf Give-and-go mit dem Rücken eines Hamburgers und erzielte schließlich die Zähler zum 72:62-Endstand. Zu diesem Zeitpunkt skandierten die Fans in der „Blauen Hölle“ schon lange: „Hier regiert, der B-I-G!“

„Ich bin stolz auf meine Mannschaft: Wir haben heute einmal mehr Moral bewiesen und mit drei guten Vierteln die Weichen für einen sehr wichtigen Sieg gestellt, zu dem uns die Fans mit ihrer grandiosen Unterstützung förmlich getragen haben“, sagte Head Coach Chris Ensminger nach der Partie, in der er abermals auf Max DiLeo (Bauchmuskel-Verletzung) verzichten musste. Spielentscheidend war für ihn die Leistung in der Defense, die sich nach der klaren Niederlage bei rent4office Nürnberg deutlich verbessert zeigte.

Wie stark die Rockets verteidigten, ließ sich letztlich unter anderem daran ablesen, dass sie die deutliche Rebound-Überlegenheit der Towers kompensieren konnten. Zudem gestatteten sie Hamburgs Center-Riege mit Stefan Schmidt, Michael Wenzl und Robert Ferguson insgesamt lediglich sechs Punkte; dieses Trio legt gemeinsam im Schnitt rund 19 Punkte auf.

Derweil sagte Hamburgs Head Coach Hamed Attarbashi: „Glückwunsch an Gotha! Wir haben heute ein Spiel mit zwei guten Mannschaften gesehen, das die Rockets für sich entscheiden konnten, weil sie in den letzten Minuten einfach mehr Willen gezeigt und sehr physisch gespielt haben. Joe Lawson und Marco Völler haben uns in diesen Minuten enorme Probleme bereitet.“

Enormen Grund zur Freude hatte nach dem Spiel Delvon Johnson. Zwar hatte der Rockets-Center unter der Woche mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, dennoch konnte er gestern mit zwei Dunks für Aufsehen sorgen und auch in der Defense wichtige Impulse setzen. Obendrein gab’s noch eine besondere Zugabe: Zwischen der Schlusssirene und der obligatorischen Sieger-Humba wurde Delvon Johnson von basketball.de-Redakteur Kevin Hähnlein mit dem zweiten Fan-Award („Spieler des Monats November“) ausgezeichnet.

Oettinger Rockets Gotha – Hamburg Towers 72:62 (25:32)

Viertel: 20:12 / 5:20 (25:32) / 25:16 (50:48) / 22:14 (72:62)

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (22:50 Minuten / 14 Punkte / 4 Assists / 3 Rebounds), Riewer (16:01 / 3 / 3 / 0), Razis (26:33 / 8 / 3 / 3), Abdulkader (nicht eingesetzt), Durant (9:21 / 0 / 0 / 1), Dejworek (1:41), Lodders (23:30 / 4 / 1 / 1), Woods (6:56 / 2 / 0 / 2), Johnson (19:14 / 4 / 1 / 3), Lawson (26:00 / 16 / 1 / 4), Völler (24:55 /  16 / 1 / 7), Gomila (22:59 / 5 / 4 / 2)

Hamburg Towers: Kone (30:03 Minuten / 20 Punkte / 2 Assists / 3 Rebounds), Roberson (25:16 / 13 / 0 / 3), Canty (17:50 / 7 / 0 / 2), Baues (10:27 / 0 / 0 / 1), Kiese (7:50 / 0 / 0 / 1), Schmidt (22:39 / 1 / 1 / 6), Ferguson (22:17 / 3 / 1 / 6), Kittmann (16:39 / 2 / 0 / 3), Williams (27:49 / 14 / 1 / 8), Wenzl (19:10 / 2 / 0 / 6)

Zweier Gotha: 19 von 35 (54 Prozent)

Zweier Hamburg: 14 von 38 (37 Prozent)

Dreier Gotha: 5 von 18 (28 Prozent)

Dreier Hamburg: 4 von 19 (21 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 19 von 23 (83 Prozent)

Freiwürfe Hamburg: 22 von 29 (76 Prozent)

Rebounds Gotha: 28 (4 Offense / 24 Defense)

Rebounds Hamburg: 43 (17 / 26)

Assists Gotha: 18

Assists Hamburg: 5

Ballverluste Gotha: 16

Ballverluste Hamburg: 24

Ballgewinne Gotha: 8

Ballgewinne Hamburg: 4

Zuschauer: 1762

Spielbericht der Hamburg Towers.