Rockets lassen Junges Team alt aussehen

Es gibt Tage, an denen läuft einfach alles: Da kommt Nils Dejworek, der zuvor noch keine einzige Sekunde auf dem Parkett stand, kurz vor Ultimo von der Bank, wird von seinen Teamkollegen – mit Ansage – perfekt in Szene gesetzt, nimmt den freien Dreier aus der Ecke, versenkt den Ball ohne Ringberührung und erzielt somit die letzten Gothaer Punkte am Ende eines großartigen Spektakels. Spätestens in diesem Moment hatte es sowohl die Zuschauer in der nahezu ausverkauften „Blauen Hölle“ als auch die komplette Bank der Hausherren vom sprichwörtlichen Hocker gerissen: Sie alle bejubelten den Schützen und mit ihm das gesamte Team. Wenig später war im wahren Wortsinn Feierabend!

Der Dreier von Nils Dejworek markierte gestern Abend den krönenden Abschluss einer denkwürdigen Partie. Denn einmal mehr hatten die Oettinger Rockets gegen rent4office Nürnberg Großartiges geleistet. Hatten sie im November 2014 an gleicher Stelle mit einem fulminanten Schlussviertel einen 17-Punkte-Rückstand aufgeholt und letztlich noch mit neun Zählern Vorsprung gewonnen (82:73), so ließen sie den Mittelfranken dieses Mal nicht die Spur einer Chance. Die Gothaer behielten gegen das Top-Four-Team der abgelaufenen Saison mit 81:48 (38:23) die Oberhand.

Mit diesem Triumph legten die Rockets einen perfekten Start für den dritten Doppelspieltag der Saison hin: Während sie den vierten Platz der Tabelle festigen und einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Playoffs machen konnten, ging es für die Gäste aus Nürnberg in der Tabelle einen Rang abwärts auf Platz sieben.

Wegweisend für den Verlauf der Begegnung waren bereits die Anfangsminuten: Delvon Johnson markierte die ersten Punkte für die Hausherren mit einem krachenden Dunk (2:1 / 2), dem Gerard Gomila wenig später den ersten Dreier folgen ließ (5:1 / 2.). Kurz vor Ende des ersten Viertels schloss Max DiLeo ebenfalls erfolgreich vom Perimeter ab (15:13 / 9.) und erzielte somit seine ersten Punkte vor heimischer Kulisse nach etwas mehr als drei Monaten – die Freude darüber stand ihm ins Gesicht geschrieben. Den dritten Dreier des ersten Durchgangs versenkte schließlich der glänzend aufgelegte Kapitän Marco Völler mit Ablauf der ersten zehn Minuten (18:15 /10.).

Für Gäste-Coach Ralph Junge war das rückblickend eine Schlüsselszene: „Bis zu diesem Zeitpunkt verlief die Partie ausgeglichen – Marcos Aktionen am Ende des ersten und zu Beginn des zweiten Viertels haben das Spiel komplett verändert. Danach hat Gotha alles getroffen – und wir nichts. Bei der Stimmung in der Halle, bist du dann schnell erledigt!“

In der Tat spielten und verteidigten die Rockets in der Folge wie entfesselt. Nürnberg wurde in dieser Phase ein ums andere Mal überrannt. Offensiv-Aktionen der Gäste endeten immer wieder in den Armen der Hausherren, die überfallartig eine Angriffswelle nach der anderen starteten und schließlich mit einem 15:0-Lauf auf 38:21 enteilten. So entschieden die Gothaer das zweite Viertel mit 20:8 für sich und gingen mit einer beruhigenden 38:23-Führung in die Pause – die Vorentscheidung.

Denn anders als in mancher Partie zuvor leisteten sich die Rockets in dieser Begegnung keinen Aussetzer. Nach dem Seitenwechsel knüpften sie sowohl in der Defense als auch in der Offense nahtlos dort an, wo sie vor der Pause aufgehört hatten.

Ähnlich verhielten sich die Dinge bei den Gästen: Sie trafen auch nach der Halbzeit kaum einen Wurf. Am Ende der Partie stand für sie eine desaströse Feldwurfquote von 28 Prozent (17 von 61) zu Buche (Gotha 50 Prozent / 29 von 58). Den größten Unterschied machten dabei die Dreier aus: Während die Rockets elf von 26 Versuchen (42 Prozent) versenken konnten, kam rent4office nicht über einen Treffer bei 15 Anläufen (7 Prozent) hinaus.

Als Sinnbild für den weiteren Verlauf der überraschend einseitigen Partie kann letztlich die Szene aus dem Schlussviertel stehen, in der Max DiLeo den Nürnbergern den Ball klaute, blitzschnell auf Fastbreak umschaltete, dem Gegner nicht einmal die Chance für ein taktisches Foul ließ und schließlich mit einem Korbleger zum 68:40 (35.) abschloss.

Erfolgreichster Schütze der Rockets war gestern zum dritten Mal in Folge Marco Völler (16 Punkte); ebenfalls zweistellig scorten Max DiLeo (13), Carlton Guyton und Delvon Johnson (jeweils 12). Letzterer pflückte zudem 10 Rebounds und legte somit sein zweites Double-Double in dieser Saison auf.

„Ich freue mich für unsere Fans, die uns einmal mehr zu einem Sieg getragen haben, und natürlich auch für jeden einzelnen Spieler: besonders für Nils, der jeden Tag hart trainiert und heute für den Schlusspunkt eines grandiosen Spiels gesorgt hat – die Freude der gesamten Mannschaft über seinen Dreier spiegelt unseren guten Teamgeist wider“, sagte Rockets-Coach Chris Ensminger nach dem deutlichsten Sieg seiner Trainer-Karriere. „Grundstein für diesen Erfolg war zweifelsfrei, dass wir unser bestes Defense-Spiel der Saison gezeigt haben. Und das gegen eines der besten Offense-Teams der Liga, das uns im Hinspiel noch 110 Punkte eingeschenkt hat…“

Sprach’s und richtete den Blick nach vorne. Denn bereits am Sonntag geht es mit dem Auswärtsspiel beim heimstarken Aufsteiger RheinStars Köln weiter. „Natürlich wollen wir den Schwung aus dem heutigen Spiel mitnehmen. Wir müssen endlich auch einmal auswärts die Energie aus den Heimspielen aufs Parkett bringen“, sagte Chris Ensminger und mahnte dezent davor, falsche Schlüsse aus dem grandiosen Sieg gegen Nürnberg zu ziehen: „Wir haben heute ein Spiel gewonnen: nicht weniger, aber auch nicht mehr. Wir sind noch nicht in den Playoffs!“

Oettinger Rockets Gotha – rent4office Nürnberg 81:48 (38:23)

Viertel: 18:15 / 20:8 (38:23) / 21:11 (59:34 / 22:14 (81:48)

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (26:36 Minuten / 12 Punkte / 6 Assists / 9 Rebounds), Riewer (21:26 / 7 / 2 / 2), DiLeo (20:03 / 13 / 1 / 1), Razis (13:20 / 0 / 4 / 1), Durant (10:06 / 2 / 2 / 0), Dejworek (3:27 / 3 / 0 / 1), Lodders (9:31 / 0 / 1 / 1), Woods (15:59 / 0 / 0 /2), Johnson (23:48 / 12 / 0 / 10), Lawson (15:54 / 7 / 0 / 4), Völler (22:24 / 16 / 0 / 5), Gomila (17:26 / 9 / 2 / 3)

rent4office Nürnberg: Tucker (20:06 Minuten / 2 Punkte / 1 Assist / 3 Rebounds), Bright (15:02 / 0 / 1 / 0), Hujic (8:02 / 0 / 1 / 0), Blessing (17:13 / 2 / 0 / 0), Fleischmann (19:36 / 11 / 0 / 2), Oehle (17:51 / 8 / 3 / 4), Schröder (6:51 / 4 / 0 / 1), Marin (14:12 / 0 / 0 / 1), Green (21:59 / 4 / 1 / 2), Land (14:39 /  4 / 0 / 7), Oppland (24:27 / 5 / 0 / 9), Theus (19:38 / 8 / 1 / 2)

Zweier Gotha: 18 von 32 (56 Prozent)

Zweier Nürnberg: 16 von 46 (35 Prozent)

Dreier Gotha: 11 von 26 (42 Prozent)

Dreier Nürnberg: 1 von 15 (7 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 12 von 17 (71 Prozent)

Freiwürfe Nürnberg: 13 von 16 (81 Prozent)

Punkte von der Bank Gotha: 41

Punkte von der Bank Nürnberg: 21

Rebounds Gotha: 41 (10 Offense / 31 Defense)

Rebounds Nürnberg: 33 (14 / 19)

Assists Gotha: 18

Assists Nürnberg: 8

Ballverluste Gotha: 11

Ballverluste Nürnberg: 12

Ballgewinne Gotha: 4

Ballgewinne Nürnberg: 2

Zuschauer: 1810

Bild-Impressionen vom Spiel.

Spielbericht von rent4office Nürnberg.