Riesiger Respekt für die Rockets

Spannender ging’s wahrlich nicht. Erst in der allerletzten Sekunde wurde gestern Abend in der "Blauen Hölle" das vierte Spiel des Playoff-Halbfinals zwischen den Oettinger Rockets Gotha und den s.Oliver Baskets entschieden – zu Gunsten der Gäste. Denn Will Reinkes Dreipunktwurf-Versuch landete beim Ertönen der Schlusssirene nicht in der Reuse, sondern auf dem Ring und flog anschließend im hohen Bogen zurück auf das Spielfeld. Deshalb blieb es beim Endstand von 59:57 (30:27) für die Würzburger, die somit die Best-of-five-Serie mit 3:1 gewonnen und den direkten Wiederaufstieg in die Beko Basketball-Bundesliga geschafft haben.

Zwar waren die Baskets die jubelnden Sieger, doch einen Verlierer gab es am Ende dieser denkwürdigen Playoff-Schlacht nicht wirklich. Jedenfalls wurde das Team von Head Coach Chris Ensminger von den Fans frenetischer gefeiert als je zuvor in dieser Saison. Auch der Gegner zollte den Rockets riesigen Respekt.

Der finale Beifallssturm war natürlich auch eine lautstarke Aufmunterung. Schließlich stand den Gothaern die Enttäuschung über die Last-Second-Niederlage ins Gesicht geschrieben – hier und da kullerten auch ein paar Tränen. Vielmehr aber brachten die Fans mit dem lang anhaltenden Applaus ihren Dank für eine grandiose Leistung und eine überragende Saison zum Ausdruck. Darin spiegelte sich auf imposante Weise wider, wie sehr sich diese leidenschaftlich kämpfenden Rockets in die Herzen der Fans gespielt haben.

„Herzlichen Glückwunsch an die Würzburger zum direkten Wiederaufstieg, und herzlichen Glückwunsch auch an unsere Jungs: Ihr habt uns die erfolgreichste Saison seit dem Aufstieg in die ProA und sehr viele wunderschöne Momente beschert, die unvergessen bleiben werden“, sagte BiG-Präsidentin Astrid Kollmar nach dem Spiel. „Dafür möchte ich der gesamten Mannschaft ebenso herzlich danken wie allen Fans, Sponsoren und Unterstützern, die dazu beigetragen haben, dass wir bis ins Halbfinale der Playoffs gestürmt sind und in der Entwicklung unseres Standortes einen weiteren Meilenstein erreichen konnten!“

Die letzte Partie der Saison glich einem ebenso stimmungsvollen wie krassen Wechselbad der Gefühle. Denn von Anbeginn ließen die Rockets keinen Zweifel daran, dass sie nur eines im Sinn hatten: Sie wollten mit aller Macht und lautstarker Unterstützung von den Rängen ein fünftes Spiel erzwingen. Dabei setzten sie einmal mehr auf eine bärenstarke Defense, die den Gästen allerhand Probleme bescherte. Allerdings beruhte das auf Gegenseitigkeit. Folglich konnten die Gothaer in der Offense zu selten von ihrer starken Verteidigung profitieren. Zudem unterliefen ihnen in der gesamten Begegnung zu viele Ballverluste – letztlich standen 23 zu Buche, also 13 mehr als für die Baskets. Dieser Umstand war jedoch auch auf den hohen Einsatz zurückzuführen, dem die Hausherren hier und da Tribut zollen mussten.

So entwickelte sich abermals ein intensiver Schlagabtausch, bei dem um jeden Quadratzentimeter des Parketts bedingungslos gekämpft wurde und sich lange Zeit kein Team entscheidend absetzen konnte.

Das änderte sich erst Mitte des letzten Viertels, als Albert Kuppe (2) und Sebastian Fülle drei Dreier innerhalb von einer Minute versenkten und ihr Team mit 54:45 (36.) in Führung brachten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt glich die „Blaue Hölle“, die zum 13. Mal in dieser Saison ausverkauft war, einem Tollhaus, das im Takt der Trommeln bebte.

Dennoch gelang den Würzburgern in der Crunchtime ein Comeback, das Power Forward Ruben Spoden im Nachgang wie folgt beschrieb: „Wir hatten heute mehr Glück als Verstand!“

Zum Matchwinner avancierte letztlich einmal mehr Carlos Medlock, der den Gothaern mit seiner vorherigen Mannschaft (Crailsheim Merlins) bereits im Playoff-Viertelfinale der Saison 2013/2014 einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Der Point Guard, den die Gothaer zuvor sehr gut aus dem Spiel genommen hatten, verwandelte 13 Sekunden vor Ultimo einen Dreier zum 58:56 für die Baskets: zweifellos der Big Shot des Abends.

Wenig später war die Spielzeit 2014/2015 für die Rockets beendet. Es war die dritte und bis dato beste ProA-Saison für die BiG-Organisation, die mit diesem Erfolg auch eine gemeinsame Verpflichtung erfüllte. Sie setzte die Entwicklung von Basketball in Gotha im Sinne von Dirk Kollmar fort – und hielt natürlich auch eine von ihm eingeführte Tradition hoch: Am Ende einer starken Saison gab’s Freibier!

Oettinger Rockets Gotha – s.Oliver Baskets 57:59 (27:30)

Viertel: 15:18 / 12:12 (27:30) / 16:10 (43:40) / 14:19 (57:59)

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (32:38 Minuten / 4 Punkte / 5 Assists / 5 Rebounds), Razis (15:04 / 4 / 0 / 1), Fülle (12:01 /  7 / 0 / 2), Hoffmann (4:48 / 3 / 0 / 1), Kreis (0:05), Harris (14:18 / 7 / 0 / 1), Vest (17:10 / 2 / 0 / 1), Völler (19:45 / 6 / 1 / 3), Reinke (29:05 / 3 / 3 / 13), Lösing (32:22 / 15 / 3 / 3), Kuppe (22:44 / 6 / 0 / 3)

s.Oliver Baskets: Dourisseau (30:37 Minuten / 11 Punkte / 1 Assist / 4 Rebounds), Medlock (33:04 / 7 / 8 / 1), Ebert (nicht eingesetzt), Ugrai (14:56 / 1 / 0 / 2), Spoden (22:12 / 5 / 0 / 4), Hoffmann (6:56 / 0 / 0 / 1), Betz (27:21 / 15 / 0 / 2), Mallett (9:23 / 0 / 2 / 1), Schneider (nicht eingesetzt), Dunbar (12:39 / 4 / 2 / 1), Fenn (27:23 / 8 / 2 / 8), Givens (15:29 / 8 / 0 / 6)

Zweier Gotha: 15 von 27 (56 Prozent)

Zweier Würzburg: 13 von 37 (35 Prozent)

Dreier Gotha: 6 von 21 (29 Prozent)

Dreier Würzburg: 7 von 22 (32 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 9 von 15 (60 Prozent)

Freiwürfe Würzburg: 12 von 24 (50 Prozent)

Rebounds Gotha: 39 (8 Offense / 31 Defense)

Rebounds Würzburg: 33 (13 / 20)

Assists Gotha: 12

Assists Würzburg: 15

Ballverluste Gotha: 23

Ballverluste Würzburg: 10

Ballgewinne Gotha: 5

Ballgewinne Würzburg: 7

Zuschauer: 1742 (ausverkauft)

Aufstiegsbericht der s.Oliver Baskets.

Spielbericht von Court-Review.

Bilder-Album von Christian Bomberg.