Packender Playoff-Fight ohne Happy End

Die Szenen nach der Schlusssirene sprachen Bände. Ausgelassener Jubel auf der einen Seite. Bittere Enttäuschung, Leere und auch Tränen auf der anderen. All diese Emotionen spiegelten das dramatische Finale einer hochintensiven, spannenden und stimmungsvollen Begegnung wider, die den Fans gestern Abend in der ausverkauften „Blauen Hölle“ viel von dem bot, was den ganz speziellen Reiz von Playoffs ausmacht: Denn sie alle sahen zwei Mannschaften, die sich gegenseitig alles abverlangten, bärenstark verteidigten, verbissen um jeden Ball kämpften und bis ans Limit gingen – mitunter auch darüber hinaus.

Am Ende dieser denkwürdigen Playoff-Schlacht mussten sich die Oettinger Rockets Gotha ihrem Gegner RASTA Vechta mit 63:68 (29:31) geschlagen geben. Somit liegen sie vor dem dritten Spiel der Halbfinal-Serie, das bereits morgen im RASTA-Dome steigt (Tip-Off: 20 Uhr), mit 0:2 in Rückstand.

Ungeachtet dessen wurden die Gothaer letztlich gefeiert. Mit stehenden Ovationen honorierten die Fans eine starke Leistung der Rockets, die gestern alles für den Ausgleich und ein viertes Spiel in die Waagschale geworfen haben.

Dass die zweite Partie der Serie ganz anders verlaufen würde als das Auftaktspiel am Donnerstag, wurde bereits in den Anfangsminuten deutlich. Dabei wies die Begegnung viele Parallelen zum ersten Aufeinandertreffen der Saison in der „Blauen Hölle“ auf. Denn wieder konnten die Rockets den Liga-Primus mächtig ins Wanken bringen, aber nicht zu Fall.

Wie beim Heimspiel gegen RASTA Vechta vor fünf Monaten legten die Gothaer, die abermals ohne den angeschlagenen Jordan Riewer antreten mussten, einen imposanten Start hin. Nach Punkten von Carlton Guyton und Delvon Johnson führten sie schnell mit 4:0. Joe Lawson und MaxDileo bauten den Vorsprung mit zwei Dreiern in Folge auf 10:0 (3.) aus. Wenig später konnte Kapitän Marco Völler auf 14:2 (5.) erhöhen – das war zugleich die größte Führung im gesamten Spiel.

Doch im Anschluss fanden die Gäste über den Kampf ins Spiel. Punkt für Punkt verkürzten sie den Rückstand. Zwar gelang es den Gothaern, Vechtas Spielmacher Carlos Medlock nahezu komplett aus dem Spiel zu nehmen. Dafür sprang jedoch Devin Gibson ein, der nicht nur im zweiten Viertel für wichtige Akzente sorgen konnte. Kurz vor der Pause setzte er zweimal in Folge seinen Teamkollegen Derrick Allen glänzend in Szene, der in beiden Fällen einfache Punkte erzielen und seine Mannschaft auf 27:28 (18.) heranbringen konnte. Schließlich war es auch Devin Gibson, der RASTA mit einem Dreier erstmals in Führung (30:29 / 19.) schoss.

Nach dem Seitenwechsel konnten die Gäste den knappen Vorsprung zunächst behaupten: vor allem, weil sie im dritten Viertel sehr gut von außen trafen und vier Dreier versenkten. Dennoch blieben die Rockets stets auf Tuchfühlung – mehr noch: Mit einem 7:1-Lauf in den ersten fünf Minuten des Schlussdurchgangs konnten sie die Führung wieder an sich reißen (54:50 / 35.).

Aber just in dieser Phase sammelten die Gothaer zu schnell zu viele Fouls. So kassierte Chris Razis, der eine starke Partie machte und ein ums andere Mal die Lücken in der Vechtaer Verteidigung bestrafte, zu Beginn des vierten Viertels drei Fouls innerhalb von zehn Sekunden – jeweils im Zweikampf mit Devin Gibson.

Mit anderen Worten: Gen Ende der Partie fehlte den Rockets in einigen Szenen auch das berühmte Quäntchen Glück. Deutlich wurde das nicht zuletzt an der Dreier-Quote in den letzten zehn Minuten – nur zwei von elf Versuchen fanden in dieser Zeit ihr Ziel. Hingegen kamen die Gäste zu oft zu einfachen Punkten von der Linie – Beleg: Von 19 RASTA-Punkten im letzten Abschnitt resultierten insgesamt 13 aus Freiwürfen (bei 20 Versuchen).

Dennoch schafften es die Rockets, in der Crunch-Time noch einmal in Führung zu gehen. Max DiLeo versenkte eine Minute vor Schluss einen Dreier zum 61:60, kurz zuvor hatte er bereits zwei Freiwürfe verwandelt.

Doch Sekunden später kassierte Chris Razis sein fünftes Foul und musste vom Feld. Erneut war es Devin Gibson, der gefoult wurde und schließlich den ersten Freiwurf nutzte (61:61 / 39.). Den zweiten setzte er an den Ring, doch RASTA-Kapitän Derrick Allen schnappte sich den Rebound. Zwar wurde Gibson im Anschluss von Gerad Gomila geblockt. Aber der Shooting Guard der Gäste holte sich den Abpraller und vollendete den Angriff im zweiten Anlauf zum 63:61 (40.) für RASTA. Anders liefen die Dinge danach auf der gegenüberliegenden Seite: Zwar konnten sich auch die Rockets beim folgenden Angriff einen wichtigen Offensiv-Rebound sichern, aber ihre zweite Möglichkeit nicht nutzen.

Es gehört zur dramatischen Geschichte dieser Partie, dass in den verbliebenen 28 Sekunden mit Chase Griffin und Travis Warech ausgerechnet die beiden ehemaligen Gothaer im RASTA-Trikot jeweils zwei Freiwürfe verwandelten und so die letztlich entscheidenden Zähler zum 67:63 markierten. Zwischen ihren finalen Versuchen hatte Carlton Guyton die letzten Gothaer Punkte des Abends markiert – ebenfalls mit Freiwürfen.

Unterm Strich waren es vor allem die Offensiv-Rebounds (Gotha: 12 / Vechta: 17) und die Dreier-Quote (Gotha: 19 Prozent / Vechta: 41 Prozent), die den Ausschlag gaben. Zudem spielte Vechta sowohl seine ganze Erfahrung als auch die Qualität des stark besetzten Kaders aus, was sich sehr deutlich an den Punkten von der Bank (Gotha: 13 / Vechta: 39) ablesen lässt.

„Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und die Fans: Alle haben heute 100 Prozent gegeben. Aber ich bin auch traurig, dass wir uns für diese tolle Leistung nicht belohnen konnten“, sagte Rockets-Coach Chris Ensminger nach dem Spiel und haderte mit einigen Situationen, an denen sich die Gemüter erhitzten. „Jetzt wird es natürlich verdammt schwer für uns. Aber wir werden kämpfen und alles geben, um zurückzukommen und ein viertes Spiel zu erzwingen!“

Derweil sagte Vechtas Trainer Andreas Wagner: „Es war das erwartet schwere Spiel für uns. Natürlich sind wir zufrieden mit dem Ausgang, aber wir wissen auch: Es ist noch nicht vorbei!“

Oettinger Rockets Gotha – RASTA Vechta 63:68 (29:31)

Viertel: 18:12 / 11:19 (29:31) / 18:18 (47:49) / 16:19 (63:68)

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (32:07 Minuten / 8 Punkte / 5 Assists / 3 Rebounds), Riewer (nicht eingesetzt), DiLeo (29:17 / 12 / 0 / 5), Razis (27:03 / 11 / 3 / 2), Durant (5:18 / 0 / 1 / 0), Lodders (7:04 / 0 / 1 / 1), Woods (8:23 / 4 / 1 / 0), Johnson (27:43 / 6 / 2 / 10), Lawson (26:06 / 13 / 0 / 5), Völler (18:14 / 4 / 0 / 1), Gomila (18:45 / 5 / 1 / 6)

RASTA Vechta: Medlock (17:11 Minuten / 3 Punkte / 4 Assists / 1 Rebound), Griffin (25:27 / 5 / 0 / 4), Dunbar (23:41 / 8 / 0 / 6), Njei (nicht eingesetzt), Warech (26:51 / 9 / 2 / 5), Franke (nicht eingesetzt), Allen (30:40 / 13 / 4 / 4), Lawson (16:04 / 3 / 0 / 3), Obiango (nicht eingesetzt), Gibson (26:50 / 14 / 7 / 4), Standhardinger (24:06 / 10 / 0 / 4), Mackeldanz (9:10 / 3 / 0 / 1)

Zweier Gotha: 18 von 32 (56 Prozent)

Zweier Vechta: 12 von 39 (31 Prozent)

Dreier Gotha: 5 von 26 (19 Prozent)

Dreier Vechta: 9 von 22 (41 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 12 von 21 (57 Prozent)

Freiwürfe Vechta: 17 von 26 (65 Prozent)

Punkte von der Bank Gotha: 13

Punkte von der Bank Vechta: 39

Rebounds Gotha: 35 (12 Offense / 23 Defense)

Rebounds Vechta: 42 (17 / 25)

Assists Gotha: 14

Assists Vechta: 17

Ballverluste Gotha: 13

Ballverluste Vechta: 13

Ballgewinne Gotha: 1

Ballgewinne Vechta: 5

Zuschauer: 1862 (ausverkauft)

Spielbericht von RASTA Vechta.

2. Bundesliga ProA – Playoff-Halbfinale – Spiel 3

Montag 20.00 Uhr, RASTA Vechta – Oettinger Rockets Gotha

(Spielort Vechta: RASTA Dome, Pariser Straße 8, 49377 Vechta)