MBC-Team-Manager über den Ligakonkurrenten aus Thüringen

Martin Geissler ist seit 2002 für den Mitteldeutschen Basketball Club in Weißenfels tätig. Bereits zwei Jahre später wurde er dort Team-Manager und ist es bis heute. Gerade in dieser Zeit hat der Verein viel erlebt: Vom Gewinn der Fiba EuroCup Challenge ging es wegen eines Lizenzentzuges in die 1. Regionalliga. In der Folgezeit kämpfte sich der Verein in die Basketball-Bundesliga, die easyCredit BBL, zurück und spielte seither in der ersten beziehungsweise zweiten Liga. Am Freitag trifft der MBC in der 2. Basketball-Bundesliga ProA in der Messe Erfurt auf die Oettinger Rockets. Auch diese wollen spätestens 2018 im Basketball-Oberhaus spielen und bekamen einige Tipps von Martin Geissler.

 

Herr Geissler, vorab: Wie schätzen Sie den sportlichen Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ein?

Der Unterschied ist wirklich sehr groß. Ich glaube, die individuelle Qualität, die auf der Bank vorherrscht, ist in der BBL nicht zu unterschätzen. Dazu sind die Spieler athletischer und in der BBL gibt es viel mehr Spielstil. Auch in europäischer Sicht entwickelt sich die BBL ständig weiter.

 

Wie steht es aktuell um das deutsche Basketball-Oberhaus im europäischen Vergleich?

Organisatorisch ist die easyCredit BBL die Nummer 1 oder 2. Damit meine ich besonders die Standards der Liga und die Infrastruktur der Klubs. Allerdings fehlen die sportlichen Erfolge. Da sind Vereine aus Spanien, Griechenland oder der Türkei ertragreicher. Obwohl man sagen muss, dass Bamberg oder die Bayern auf einem guten Weg sind.

 

Zurück in heimische Gefilde: Sie sind vergangene Saison abgestiegen und konnten viele Spieler halten.

Das stimmt. Wir haben in diesem Jahr einen Etat von 1,75 Mio. Euro. Grundsätzlich kommt es mir so vor, dass der Weg in die zweite Liga öfter einer Einbahnstraße gleicht. Wir sind der einzige Verein, der es überhaupt geschafft gehabt, direkt wieder aufzusteigen. Es sollte Ziel der Liga sein, dass Vereine einen Abstieg besser verkraften.

 

Gerade in den sogenannten neuen Bundesländern gibt es wenige Profivereine. Ist das mit dem grundsätzlichen „Hinterherhinken des Ostens“ erklärbar?

Nun, ich denke, dass der Basketball im Osten Deutschlands nicht über eine lange Tradition verfügt. Es fehlt den Klubs an Erfahrung, Profibasketball zu betreiben. Umso beachtlicher ist es, dass sich immer mehr Vereine aus den neuen Bundesländern im Profibereich durchsetzen können. Dazu hängt das Sponsoring natürlich von der Kaufkraft der Region ab.

 

Zwei Profiklubs aus dem Osten treffen morgen aufeinander. Was erhoffen Sie sich von der Partie Oettinger Rockets gegen MBC?

Erst einmal denke ich, dass die Rockets nach fünf von sechs gewonnenen Spielen mit einem viel größeren Selbstvertrauen als im Hinspiel ins Rennen gehen werden. Dazu werden ihnen die Neuzugänge – Mitchell, Watts, Grof – mittelfristig in der Saison sehr helfen. Sie verstreuen zusätzlichen Respekt und mit ihnen sind sie eine Mannschaft, die jedes Team der Liga schlagen kann. Jedoch haben wir selbst nach dem verlorenen Spiel gegen Crailsheim jede Menge Motivation im Bauch. Wir wollen an zum Teil überragende Spiele anknüpfen und zeigen, dass wir zurecht die Tabelle anführen.