Nach der Revanche ist vor der Revanche

Auf diesen Moment mussten sie verdammt lange warten. Am 19. Spieltag der Hauptrunde haben die Oettinger Rockets Gotha ihren ersten Erfolg gegen ein Top-Team der 2. Bundesliga ProA verbucht. Der Aufsteiger setzte sich gestern Abend gegen den bisherigen Tabellendritten Cuxhaven BasCats mit 94:85 (42:42) durch und revanchierte sich somit für die knappe Hinspielniederlage. Entsprechend euphorisch ging’s im Anschluss in der abermals proppevollen „Blauen Hölle“ zu – Sinnbild des ausgelassenen Jubels: BiG-Präsident Dirk Kollmar trug Chase Griffin, der einmal mehr ein überragendes Spiel zeigte, nach der Schlusssirene auf seinen Schultern übers Parkett.

Doch obwohl der gestrige Triumph durchaus als Achtungszeichen ausgelegt werden darf, so ist er letztlich vor allem ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen den Abstieg: keinesfalls weniger, aber auch nicht viel mehr. Schließlich verbuchten drei unmittelbare Konkurrenten – Nürnberger BC, Kirchheim Knights und Crailsheim Merlins – ebenfalls Siege. Deshalb verbleiben die Gothaer vorerst auf Platz 13 der Tabelle.

„Wir haben heute zum ersten Mal in diesem Jahr hundertprozentig das umgesetzt, was wir trainiert und uns für die Begegnung vorgenommen hatten“, sagte Head Coach Christoph Nicol nach der umkämpften Partie, in der sowohl seine Schützlinge als auch er selbst eine unmissverständliche Körpersprache an den Tag legten. Zudem gelang es den Hausherren, die Schwachstellen aus der Vorwoche in Stärken umzuwandeln. Kosteten eine lausige Trefferquote von der Freiwurflinie und eine mäßige Rebound-Bilanz bei Erdgas Ehingen / Urspringschule noch den greifbar nahen Sieg, so fanden gestern 14 von 14 Freiwürfen ihr Ziel – und auch beim Einsammeln der Abpraller präsentierten sich die Rockets verbessert.

Weitere wichtige Bausteine zum Erfolg waren unbändiger Kampfgeist, Disziplin, Teamplay und nicht zu vergessen die nötige Portion Cleverness. All das spiegelte sich in einer starken Offense-Leistung mit 63 Prozent Trefferquote wider. Letztlich konnten gleich fünf Akteure zweistellig punkten, wobei neben Chase Griffin vor allem Jonathan Person herausragte. Der 19-jährige Schwede machte im dritten Anlauf sein erstes überragendes Spiel für die Rockets und kaum einen Fehler. Am Ende brachte er es auf 14 Punkte bei 100 Prozent Trefferquote. Dafür gab’s dann auch ein Extra-Lob vom Trainer: „Jonathan hat gezeigt, was in ihm steckt und eine grandiose Leistung abgeliefert!“

Von Anbeginn lieferten sich beide Seiten ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in dem sich bis zu Beginn des letzten Spielabschnitts kein Team entscheidend absetzen konnte. Kein Wunder: Schließlich endeten die ersten drei Viertel jeweils remis (25:25 / 17:17 / 25:25).

Im gesamten Spielverlauf konnten sich die Gäste, die in dieser Saison noch keine einzige Partie gegen eine Mannschaft aus Mitteldeutschland verloren hatten, lediglich dreimal leicht absetzen. Doch in allen drei Fällen hatten die Gothaer eine passende Antwort parat.

Zu Beginn des zweiten Viertels machten sie mit einem energischen Zwischenspurt aus einem 25:30-Rückstand eine 31:30-Führung (14.) – vier Punkte steuerte in dieser Phase Jonathan Person bei. Mitte des dritten Abschnitts setzte dann Dustin Mitchell wichtige Impulse. Der US-Boy schloss innerhalb von zwei Minuten zwei Angriffe mit einem Dunking (49:53 und 57:55) ab und trug mit gelungenen Defense-Aktionen dazu bei, dass die Rockets auf Augenhöhe mit den BasCats blieben.

Schließlich läuteten Leo Niebuhr (64:67 / 29.) und Chase Griffin (67:67 / 29.) am Ende des dritten Viertels mit ihren Punkten den letztlich entscheidenden 13:0-Lauf ein. Diesen setzte Albert Kuppe im vierten Durchgang mit vier Zählern in Folge fort, ehe Chase Griffin und Jonathan Person die Führung auf acht Punkte erhöhten (77:69 / 35.). Diesen Vorsprung gaben die Gothaer bis zur Schlusssirene nicht mehr aus der Hand.

Getrübt wurde die Freude über den Sieg durch eine Verletzung, die sich Jan Lipke bereits im ersten Viertel an der Wade zuzog. Eine genaue Diagnose liegt noch nicht vor.

Derweil richtete Christoph Nicol bei der abschließenden Pressekonferenz den Blick voraus: „Die nächsten Spiele sind mindestens genauso wichtig wie das heutige. Wir müssen unbedingt nachlegen, damit wir möglichst schnell da unten rauskommen.“

Am nächsten Sonntag steht die Auswärtspartie bei den Düsseldorf Baskets auf dem Programm. Die Vorzeichen sind ähnlich wie vor der gestrigen Begegnung. Auch gegen Düsseldorf mussten sich die Rockets im Hinspiel nur knapp geschlagen geben (70:72). Zeit für die nächste Revanche.

Oettinger Rockets Gotha – Cuxhaven BasCats 94:85 (42:42)

Viertel: 25:25 / 17:17 / 25:25 / 27:18

Oettinger Rockets Gotha: Person (14 Punkte / 4 von 4 Freiwürfen / 2 Dreier), Griffin (24 / 2 Dreier), Watson (0), Jackson (nicht eingesetzt), Niebuhr (13 / 3 von 3 Freiwürfen), Kreis (2), Baker (14 / 2 von 2 Freiwürfen / 2 Dreier), Mitchell (6), Selvig (0), Lipke (4), Kuppe (17 / 5 von 5 Freiwürfen),

Cuxhaven BasCats: Mackeldanz (0), Pratt (5 / 1 von 1 Freiwürfen), Rockmann (10), Hasenkamm (0), Thomas (24 / 1 von 2 Freiwürfen / 3 Dreier), Kelly (17 / 0 von 1 / 1 Dreier), Onwuegbuzie (0), Harris (11 / 5 von 6 Freiwürfen), Pluskotha (0), Dunbar (18 / 9 von 9 Freiwürfen / 1 Dreier)

Zweier Gotha: 31 von 44 (70 %)

Zweier Cuxhaven: 27 von 51 (53 %)

Dreier Gotha: 6 von 15 (40 %)

Dreier Cuxhaven: 5 von 19 (26 %)

Freiwürfe Gotha: 14 von 14 (100 %)

Freiwürfe Cuxhaven: 16 von 19 (84 %)

Rebounds Gotha: 32 (4 Offense / 28 Defense)

Rebounds Cuxhaven: 29 (11 / 18)

Assists Gotha: 18

Assists Cuxhaven: 7

Turnover Gotha: 18

Turnover Cuxhaven: 14

Zuschauer: 1411

Spielbericht der Cuxhaven BasCats.