Lautes und starkes Spiel vor Rekord-Kulisse

Bereits zum dritten Mal in dieser Saison gastierte gestern ein (aktueller) Tabellenführer der 2. Bundesliga ProA in der „Blauen Hölle“. Und zum dritten Mal wankte der Spitzenreiter, fiel aber nicht. So mussten sich die Oettinger Rockets Gotha am Ende einer packenden Partie der BG Göttingen mit 69:82 (32:41) geschlagen geben.

Dennoch konnten die Hausherren das Parkett erhobenen Hauptes verlassen. Schließlich war für jeden der 1221 Zuschauer unübersehbar, dass die Mannschaft bis zur letzten Sekunde alles gegeben hatte. Folglich gab es auch noch lange nach der Schlusssirene Standing Ovations. Denn die Message, die vom Auftritt der Rockets ausging, war eindeutig: „Wir sind ein Team und kämpfen gemeinsam bis zum Umfallen!“

Anders als zuletzt im Thüringen-Derby lieferten die Gothaer dem Gegner über weite Strecken eine Partie auf Augenhöhe. Der dritte Saisonsieg lag in greifbarer Nähe. Erst kurz vor Ultimo, als die Hausherren auf die Karte „Alles oder nichts“ setzen, also Stop-The-Clock spielen mussten, konnten sich die souverän agierenden Gäste den 13-Punkte-Vorsprung herausarbeiten. Dieser Abstand täuscht jedoch über den Spielverlauf hinweg.

„In der Schlussphase konnten wir unsere durchaus vorhandenen Möglichkeiten leider nicht nutzen, das Momentum noch einmal in unsere Richtung zu verschieben“, sagte Christoph Nicol. Der vormalige Assistant Coach der Mannschaft (Saison 2011/2012) betreute die Rockets gestern mit Yvonne Schäfer und kam zu dem Schluss: „Es war das erwartet schwere Spiel, in dem wir uns teuer verkauft haben. Die Leistung des gesamten Teams war ein Schritt in die richtige Richtung – vor allem in der Defense haben wir uns verbessert. Deshalb sind wir uns sicher: Egal, wie die Suche nach einem neuen Head Coach in den nächsten Tagen oder Wochen verläuft – wenn die Mannschaft weiter so hart arbeitet und verteidigt, dann wird sie auch wieder Siege einfahren.“

Von Anbeginn lieferten die Rockets dem Spitzenreiter einen offenen Schlagabtausch. Das Signal zur Attacke gab Torvoris Baker, der die ersten Gothaer Punkte mit einem Dreier erzielte (2:3/ 2.) und letztlich mit 14 Zählern Top-Scorer der Rockets war. Zwar hatten die Göttinger fortan zumeist in Nase vorne. Sicher sein konnten sie sich ihrer Sache aber erst gen Ende. Denn die Gastgeber steckten zu keinem Zeitpunkt auf und kämpften – wie angekündigt und im wahren Wortsinn – bis zum Umfallen. Beleg und wegweisende Botschaft zugleich: Selbst in den Schlusssekunden, als Göttingen schon uneinholbar führte, hechtete Jan Lipke noch einem Ball hinterher.

Lediglich im zweiten Viertel konnten die Gothaer noch zweimal in Führung gehen. Zunächst versenkte Albert Kuppe, nach einem Assist von Torvoris Baker, einen Dreier zum 29:28 (15.). Wenig später verwandelte Jan Lipke zwei Freiwürfe zum 32:30 (16.). Allerdings wurde just in dieser Phase auch deutlich, dass die Gäste keineswegs grundlos die Tabelle anführen. Sie hatten auch in den kniffligen Momenten meist eine passende Antwort parat – und deshalb traten die Befürchtungen ihres Trainers Johan Roijakkers nicht ein: „Es ist immer schwer, gegen eine Mannschaft anzutreten, die sich soeben von ihrem Coach getrennt hat. Die Los Angeles Lakers haben gerade einen Trainerwechsel hinter sich und letzte Nacht das erste Spiel gewonnen…“

Doch nicht nur aus diesem Grund war Johan Roijakkers vor dem Spiel etwas besorgt. Obwohl der Saisonstart für die Rockets nicht so gut verlief, zählt er die Mannschaft nach wie vor zu den Top-Adressen der ProA.

Ähnliches trifft mit Sicherheit auf die Fans beider Teams zu. Diese lieferten sich eine lautstarke Schlacht, wie sie die „Blaue Hölle“ bis dato noch nicht erlebt hat. Schließlich waren erstmals auch die Gäste mit etwa 150 Anhängern im Schlepptau angereist, die ihrer Mannschaft einen bemerkenswerten Support und somit einen großen Beitrag zur stimmungsvollen Kulisse lieferten. Diese setzte sich aus 1221 Besuchern zusammen. Somit wurde bereits zum fünften Mal in Folge die „1000er-Marke“ übertroffen und ein neuer Zuschauer-Rekord für Basketball in Gotha aufgestellt!

Kein Wunder also, dass Rockets-Capo Heiko Nicol am Ende mit heiserer Stimme sagte: „Die Atmosphäre war passend zu diesem Spiel: einfach geil!“

Oettinger Rockets Gotha – BG Göttingen 69:82 (32:41)

Viertel: 14:20 / 18:21 (32:41) / 16:13 (48:54) / 21:28 (69:82)

Oettinger Rockets Gotha: Smith (3 Punkte), Griffin (10 / 1 Dreier), Watson (0), Jackson (8), Niebuhr (7), Kreis (2), Lathan (4), Baker (14 / 1 Dreier), Selvig (2), Lipke (7), Kuppe (12 / 3 Dreier)

BG Göttingen: Grimaldi (10 / 1 Dreier), Vargas (16 / 1 Dreier), Crowell (2), Guede (8 / 1 Dreier), Livas (16 / 1 Dreier), Davis (11), Hitchens (6 / 2 Dreier), Phillips (13), Wenzl (0),   

Zweier Gotha: 18 von 41 (44 %)

Zweier Göttingen: 19 von 39 (49 %)

Dreier Gotha: 5 von 24 (21 %)

Dreier Göttingen: 6 von 20 (30 %)

Freiwürfe Gotha: 18 von 29 (62 %)

Freiwürfe Göttingen: 26 von 39 (67 %)

Rebounds Gotha: 41 (11 Offense / 30 Defense)

Rebounds Göttingen: 48 (10 / 38)

Assists Gotha: 10

Assists Göttingen: 10

Turnover Gotha: 14

Turnover Göttingen: 16

Zuschauer: 1221 (neue Bestmarke für die "Blaue Hölle")

Spielbericht der BG Göttingen.

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