„Jetzt werden die Karten neu gemischt!“

Seit gestern Abend ist es amtlich: Thüringen erlebt erstmals in den Playoffs der 2. Basketball-Bundesliga ProA eine prestigeträchtige Traum-Paarung. Denn in der ersten Runde treffen die beiden einzigen ProA-Teams aus dem grünen Herzen Deutschlands aufeinander. Los geht die mit Spannung erwartete Serie nach dem Modus „Best of five“ am kommenden Samstag: Dann müssen die Oettinger Rockets zunächst bei Science City Jena antreten, ehe am Ostermontag das erste Heimspiel in der „Blauen Hölle“ steigt.

Dass die Gothaer zum Auftakt auswärts antreten müssen, ist auch, aber nicht nur, auf den Ausgang ihres letzten Spiels der Hauptrunde zurückzuführen. Denn gestern mussten sich die Rockets bei rent4office Nürnberg mit 74:89 (37:50) geschlagen geben. Zwar fiel die fünfte Niederlage in Folge letztlich deutlicher aus, als die umkämpfte Begegnung phasenweise verlief. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass sich die Gastgeber mit diesem Sieg verdientermaßen den zweiten Platz in der Endabrechnung sicherten und somit, sollten sie die erste Runde der Playoffs erfolgreich meistern, auch in der zweiten Runde Heimrecht haben. Hingegen rutschten die Rockets auf Platz fünf ab und mussten das Heimrecht doch noch an das Team von Science City Jena abgegeben, das zeitgleich vor heimischer Kulisse gegen die Bayer Giants Leverkusen mit 92:69 gewann und für den Moment der „lachende Vierte“ ist.

Allerdings waren sich sowohl Mannschaft als auch Fans der Rockets am Ende einig, dass der vierte Platz nicht gestern aus der Hand gegeben wurde, sondern bereits in den vorhergehenden Spielen. „Natürlich ist es ärgerlich, dass wir die Chance, den vierten Platz dingfest zu machen, nicht nutzen konnten“, sagte Head Coach Chris Ensminger nach der Begegnung gegen die Nürnberger, die in der Rückrunde kein einziges Heimspiel verloren haben. „Ungeachtet dessen stand aber schon vor dieser Partie fest, dass die Karten für alle Teams neu gemischt werden. Jetzt geht die Saison erst richtig los – in den Playoffs ist alles möglich!“

Möglich wäre auch in Nürnberg einiges gewesen. Angefeuert von vielen mitgereisten Fans erwischten die Rockets einen guten Start. Sie hielten die Partie zunächst offen und gingen kurz vor Ende des ersten Viertels erstmals in Führung: Zunächst verwandelte Evan Harris zwei Freiwürfe zum 15:14 (8.). Wenig später legte Marco Völler mit einem Dunk zum 17:16 (8.) nach, ehe Sebastian Fülle auf 19:16 (9.) erhöhte. Allerdings sollte das die letzte Gäste-Führung an diesem Abend gewesen sein. Keine 30 Sekunden später hatten die Hausherren wieder die Nase vorne. Zupass kam ihnen dabei, dass sich bei Gotha gen Ende des ersten Abschnitts die Fehler häuften. Beleg: In den letzten 73 Sekunden des ersten Abschnitts leisteten sich die Gäste drei Ballverluste (im gesamten Spiel: 20). Nürnberg bestrafte diese Unzulänglichkeiten im Stile einer Spitzenmannschaft und beendete den ersten Durchgang mit einem 8:0-Lauf.

Viertelübergreifend baute rent4office den Run dann auf 12:0 und die Führung auf 28:19 (12.) aus. Nicht nur in dieser Phase wurde deutlich, weshalb die Gastgeber in der gesamten Hauptrunde das beste Offense-Team waren, das in diesem Fall dem besten Defense-Team der Hauptrunde (Gotha) die Grenzen aufzeigte. Dem daraus resultierenden Rückstand rannten die Rockets lange Zeit hinterher.

Dennoch frohlockten die mitgereisten Fans, die ihr Team einmal mehr lautstark unterstützten, Mitte des vierten Viertels. Schließlich schien es in dieser Phase so, als könnte sich die Geschichte aus dem Hinspiel wiederholen, als die Gothaer im Schlussdurchgang einen 17-Punkte-Rückstand aufgeholt und die Partie schließlich mit 82:73 gewonnen hatten. Denn die Rockets kämpften sich mit einem energischen Schlussspurt und einem 12:2-Lauf in kurzer Zeit von 60:70 (34.) auf 70:72 (37.) heran. Doch im Gegensatz zum ersten Aufeinandertreffen im November bewahrten die Schützlinge von Trainer Ralph Junge dieses Mal die Ruhe. Sie antworteten mit einem 9:0-Run und sorgten somit für die endgültige Entscheidung.

„Klar, mit den letzten fünf Spielen können wir unterm Strich nicht zufrieden sein“, sagte Chris Ensminger, dessen Team die Hauptrunde zwar mit der identischen Bilanz wie in der vorhergehenden Spielzeit beendet (17 Siege / 13 Niederlagen), sich aber nicht „nur“ um zwei Plätze verbessert hat. „Ingesamt hat sich bewahrheitet, dass die ProA in dieser Saison so stark besetzt war wie nie zuvor. Dennoch haben wir mit einer neu formierten Mannschaft ganz oben mitgespielt, unseren tollen Fans viele mitreißende Spiele geboten und insgesamt eine gute Entwicklung genommen, die wir in den Playoffs natürlich untermauern möchten!“

Die Wahrnehmung der positiven Entwicklung spiegelt sich indes auch in jener Auszeichnung wider, die dem Team gestern in Abwesenheit zuteil wurde. Denn bei der 23. Sportgala des Landkreises Gotha und des Kreissportbundes in Ohrdruf wurden die Rockets zur „Mannschaft des Jahres 2014“ gekürt. Stellvertretend für das Team, das zum Zeitpunkt der Ehrung noch in Nürnberg weilte, nahmen BiG-Geschäftsführer Peter Sturmhöfel und die BiG-Vorstandsmitgliedern Norman Wagner und Burkhart Rall die stattliche Trophäe entgegen. Alle drei betonten: „Wir sind stolz auf das, was unsere Mannschaft im vergangenen Jahr geleistet hat und hoffen sehr, dass diese Auszeichnung auch ein gutes Omen für die Playoffs ist!“

rent4office Nürnberg – Oettinger Rockets Gotha 89:74 (50:37)

Viertel: 24:19 / 26:18 (50:37) / 15:15 (65:52) / 24:22 (89:74)

rent4office Nürnberg: Pena (21:04 Minuten / 8 Punkte / 2 Assists / 3 Rebounds), Hobbs (31:42 / 14 / 7 / 4), Fleischmann (9:41 / 6 / 0 / 1), Oehle (23:00 / 8 / 1 / 3), Schröder (23:51 / 13 / 1 / 1), Young (28:15 / 16 / 11 / 3), Land (16:33 / 11 / 1 / 1), Haukohl (25:15 / 7 / 0 / 8), Oppland (20:39 / 6 / 2 / 4)

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (14:19 Minuten / 5 Punkte / 5 Assists / 3 Rebounds), Razis (15:46 / 4 / 3 / 3), Fülle (19:46 / 9 / 1 / 4), Hoffmann (nicht eingesetzt), Kreis (11:10 / 2 / 0 / 1), Harris (15:25 / 2 / 0 / 4), Vest (21:04 / 3 / 0 / 2), Völler (20:55 / 13 / 1 / 3), Reinke (28:20 / 11 / 0 / 3), Lösing (26:12 / 15 / 2 / 4), Kuppe (17:03 / 10 / 1 / 3)

Zweier Nürnberg: 24 von 40 (60 Prozent)

Zweier Gotha: 25 von 43 (58 Prozent)

Dreier Nürnberg: 9 von 18 (50 Prozent)

Dreier Gotha: 5 von 18 (28 Prozent)

Freiwürfe Nürnberg: 14 von 19 (74 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 9 von 15 (60 Prozent)

Rebounds Nürnberg: 29 (4 Offense / 25 Defense)

Rebounds Gotha: 34 (11 Offense / 23 Defense)

Assists Nürnberg: 25

Assists Gotha: 13

Ballverluste Nürnberg: 13

Ballverluste Gotha: 20

Ballgewinne Nürnberg: 8

Ballgewinne Gotha: 5 

Zuschauer: 1512

Spielbericht von rent4office Nürnberg.