Hartmann-Höllen-Trip ohne Happy End

Das Beste sollte zum Schluss kommen, doch daraus wurde nichts: Die Oettinger Rockets Gotha haben das letzte Spiel des Jahres 2012, das zugleich den Abschluss der Hinrunde in der 2. Bundesliga ProA markiert, verloren. Bei der heimstarken BV Chemnitz 99 musste sich der Aufsteiger gestern mit 65:77 (34:41) geschlagen geben.

Dennoch konnten die Gothaer das Feld erhobenen Hauptes verlassen. Schließlich hatten sie dem Tabellensechsten, der bis dato nur ein Heimspiel in dieser Saison abgeben musste, einen heißen Tanz geliefert – sprich: Die Rockets zeigten im Chemnitzer Hexenkessel zwar keine überragende Leistung, verkauften sich aber teuer. Allerdings waren die Niners mit ihren lautstarken Fans im Rücken besser, was gewiss auch auf die gewachsene Erfahrung eines etablierten ProA-Teams zurückzuführen ist.

„Unterm Strich ist es ein verdienter Sieg für die Chemnitzer, die heute eindrucksvoll bewiesen haben, weshalb sie in heimischer Halle eine Macht sind“, sagte Rockets-Coach Christoph Nicol nach der stimmungsvollen Partie, die insgesamt 2180 Zuschauer verfolgten, rund 120 reisten aus Gotha an. Zwar gingen am Ende die Meinungen weit auseinander, ob die eigene Mannschaft nun vornehmlich mit Trillerpfeifen (Chemnitz) oder eben Trommeln (Gotha) angefeuert werden sollte. Unstrittig war hingegen, dass die Fans beider Lager für eine imposante und lautstarke Derby-Kulisse gesorgt haben. Lediglich beim Weihnachtsspiel in Crailsheim konnten zum Abschluss der Hinrunde mehr Besucher (3000) gezählt werden.

Letztlich resultierte die Rockets-Niederlage aus der Summe einiger Bausteinchen: Dazu zählten in erster Linie die Heim- und Defensestärke der Hausherren sowie die beachtliche Hitze, die beim Gefecht in der Hartmann-Hölle entfacht wurde, aber auch der Umstand, dass die Gothaer auf drei Akteure verzichten mussten. Während der Ex-Chemnitzer Joleik Schaffrath nach wie vor ausfällt, hatte sich Jan Lipke am Donnerstag im Training einen Muskelfaserriss zugezogen. Marquise Carter befand sich derweil bereits im Weihnachtsurlaub. Sein Flug in die Heimat war schon vor einigen Wochen gebucht worden, als der US-Boy noch zum Kader der Zweiten gehörte. Wenngleich „Rockets-Reservist“ Sebastian Rauch kurzfristig einsprang, um dem Trainer-Team im Falle eines Falles mehr Spielraum zu geben, wurden Lipke und Carter gestern schmerzlich vermisst.

„Uns war klar, dass wir diese Begegnung nur dann gewinnen können, wenn wir härter kämpfen als Chemnitz – das ist uns nicht durchweg gelungen“, konstatierte Christoph Nicol. „Wir hatten zu Beginn 15 starke Minuten, dann haben die Niners die Intensität in der Defense spürbar erhöht und in den fünf Minuten vor der Pause den entscheidenden Vorsprung herausgespielt, dem wir nach dem Seitenwechsel leidenschaftlich, aber vergeblich hinterhergerannt sind.“

Zunächst rannten jedoch erstmal die Gastgeber hinterher. Denn den besseren Start erwischten die Gothaer. Dmitrij Kreis, der erneut ein überzeugendes Spiel ablieferte, markierte mit einem Dreier die ersten Punkte der Partie. Anschließend sorgten Leo Niebuhr und Chase Griffin schnell für ein kleines Polster (7:2 / 2.).

Den knappen Vorsprung behaupteten die Rockets auch am Ende des ersten Spielabschnitts, in dem Torvoris Baker, vormals für Chemnitz im Einsatz (Saison 2008/2009) und beim Wiedersehen von den Niners-Fans mit Applaus begrüßt, mit einem Tip-Dunk zum 16:12 (5.) für ein Highlight sorgte. Zudem fanden in diesem Viertel vier von insgesamt acht erfolgreichen Gäste-Dreiern ihr Ziel. Auch deshalb lagen die Gastgeber in den ersten zehn Minuten nur einmal in Führung (20:19 / 9.).

Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs sah es zunächst gut aus. Doch just als die Gothaer beim Stand von 32:24 (14.) die Chance hatten, den Vorsprung erstmals auf zehn Zähler zu erhöhen, startete Chemnitz einen 10:0-Lauf. Takumi Ishizaki versenkte zwei Dreier in Folge, wenig später tat es Jorge Schmidt dem Japaner gleich. Spätestens in dieser Phase drehte das Chemnitzer Publikum den Lautstärkepegel auf „Maximum“.

Rückblickend war die Vorentscheidung in den Minuten vor der Pause gefallen. Zwar stemmten sich die Rockets nach dem Seitenwechsel vehement gegen die drohende Niederlage. Näher als auf sieben Punkte kamen sie jedoch nicht mehr heran: Etwa, als Derek Selvig in den ersten Minuten des vierten Viertels sieben Punkte in Folge markierte und Gotha wieder auf Schlagdistanz brachte. Folglich konnten sich die Niners erst kurz vor Ultimo ihrer Sache sicher sein und in der Schlussminute mit Dominic Bassl und Kilian Leuteritz zwei Talente einsetzen, die in der Saison 2009/2010 noch für die erfolgreiche Spielgemeinschaft Chemnitz-Gotha in der JBBL am Ball gewesen sind.

Derweil ist nach dem Derby vor dem Derby. Bereits am Samstag, 5. Januar 2013, müssen die Rockets bei den Uni-Riesen in Leipzig antreten. Eine Woche später werden die finke baskets aus Paderborn in der „Blauen Hölle“ erwartet (12. Januar), am darauffolgenden Wochenende reisen die Gothaer dann zum Team von Erdgas Ehingen / Urspringschule (20. Januar).

„In den ersten drei Spielen der Rückrunde wollen wir mindestens zwei Siege erringen“, sagte Christoph Nicol gestern. „Denn natürlich ist unser wichtigstes Ziel, so schnell wie möglich den nötigen Abstand zum Tabellenende herzustellen. Wenn uns das gelingt, sehen wir weiter!“

BV Chemnitz 99 – Oettinger Rockets Gotha 77:65 (41:34)

Viertel: 20:26 / 21:8 / 14:12 / 22:19

Oettinger Rockets Gotha: Griffin (8 Punkte / 2 Dreier), Watson (0), Jackson (0), Niebuhr (9 / 2 von 2 Freiwürfen / 1 Dreier), Kreis (8 / 2 von 4 Freiwürfen / 2 Dreier), Baker (13 / 1 Dreier), Selvig (9 / 2 von 2 Freiwürfen / 1 Dreier), Wilson (6 / 4 von 4 Freiwürfen), Rauch (nicht eingesetzt), Kuppe (12 / 2 von 2 Freiwürfen / 2 Dreier)

BV Chemnitz 99: Bynum (15 / 3 von 3 Freiwürfen), Ishizaki (14 / 2 von 4 Freiwürfen / 2 Dreier), Obiango (2 / 2 von 2 Freiwürfen), Bassl (0), Schmidt (13 / 3 Dreier), Endig (0), Lawson (8 / 2 von 4 Freiwürfen), Stachula (2), Jones (14 / 2 von 6 Freiwürfen), Cardenas (9 / 1 Dreier),

Zweier Gotha: 13 von 29 (45 %)

Zweier Chemnitz: 24 von 40 (60 %)

Dreier Gotha: 9 von 26 (35 %)

Dreier Chemnitz: 6 von 15 (40 %)

Freiwürfe Gotha: 12 von 14 (86 %)

Freiwürfe Chemnitz: 11 von 19 (58 %)

Rebounds Gotha: 30 (13 Offense / 17 Defense)

Rebounds Chemnitz: 29 (9 / 20)

Assists Gotha: 12

Assists Chemnitz: 14

Turnover Gotha: 15

Turnover Chemnitz: 7

Zuschauer: 2180

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Spielbericht der BV Chemnitz 99.