Harter Arbeitstag mit Happyend

„Hindernisse dürfen Dich nicht aufhalten. Wenn Du gegen eine Wand läufst, dann dreh Dich nicht um und gib nicht auf. Sondern finde heraus, wie Du über diese Wand klettern, wie Du durch sie gehen oder wie Du sie umkurven kannst!“

Dieses im wahren Wortsinn wegweisende Zitat, das von Basketball-Legende Michael Jordan stammt, schrieb Chris Ensminger seinen Schützlingen vor dem gestrigen Heimspiel gegen den Tabellenelften Kirchheim Knights auf ein großes Blatt Papier, das er an die Innenseite der Kabinentür klebte. Der Head Coach der Oettinger Rockets wusste um die Schwierigkeit der bevorstehenden Aufgabe – und fand offensichtlich die richtigen Worte.

Jedenfalls wurde die Jordan-Maxime zum Schlüssel des Erfolges im zwölften Heimspiel der Saison 2014/2015, das gewiss nicht als das spektakulärste in die Geschichte von Basketball in Gotha eingehen wird, wohl aber als eines der wichtigsten. Denn nachdem die Gothaer zuletzt zweimal in Folge in den Schlusssekunden des vierten Viertels noch abgefangen wurden, stießen sie gestern zwar mehr als einmal gegen eine Wand. Doch sie fanden einen Weg, um diese Hindernisse in der Crunchtime zu überwinden. Deshalb behielten die Rockets am Ende einer umkämpften Partie mit 72:64 (33:32) die Oberhand und konnten gemeinsam mit den bestens aufgelegten Fans die gelungene Revanche für die knappe Hinspiel-Niederlage feiern – mehr noch: Mit dem zehnten Heimsieg der Saison verteidigten die Gothaer auch den vierten Platz der Tabelle.

Als Sinnbild für den Glauben an sich selbst und den Verlauf der Begegnung, in der sich lange Zeit kein Team entscheidend absetzen konnte, stehen letztlich drei Aktionen aus dem Schlussviertel, das nichts für schwache Nerven war. Nachdem Kirchheims Top-Scorer Ben Beran sein Team kurz vor Ultimo wieder in Führung gebracht hatte (63:64 / 39.), verfehlte beim folgenden Gothaer Angriff Albert Kuppes Dreier das Ziel. Doch dann sammelte Will Reinke den wichtigsten Offense-Rebound der gesamten Partie ein – und nur wenige Sekunden später landete der Ball erneut bei Albert Kuppe: Der Mann mit der Nummer 47 fackelte nicht lange, nahm selbstbewusst den nächsten Dreier, versenkte den Big Shot des Abends zum 66:64 (39.) und versetzte Teamkollegen wie Fans in Extase.

Während die wacker kämpfenden Knights in der Schlussphase das Glück verließ, ließen sich die Rockets dieses Mal – anders als bei den jüngsten Auswärtsspielen – die Führung nicht mehr entreißen. Denn beim obligatorischen Stop-the-clock-Spiel in der letzten Minute behielten Brad Lösing (4 von 4) und Carlton Guyton (2 von 2) an der Freiwurflinie die Nerven. So fiel der Sieg letztlich etwas deutlicher aus als die Unterschiede auf dem Parkett.

Wie hoch der Druck war, der auf den Schultern der Rockets lastete, wurde im Verlauf der Begegnung deutlich. Noch nie zuvor in dieser Saison hatten sie zwei Spiele in Folge verloren – noch dazu so unglücklich wie zuletzt in Würzburg und Cuxhaven. Nun musste unbedingt ein Sieg her. Auch deshalb zeichnete sich schnell ab, dass diese Partie nicht mit besonders schönen Spielzügen entschieden wird, sondern mit Kampfgeist – und nicht zuletzt im Kopf.

Mit dieser Einstellung umschifften die Gothaer, die ohne ihren erkrankten Kapitän Torvoris Baker auskommen mussten, auch die brenzligen Situationen, mit denen sie in diesem Spiel mehr als einmal konfrontiert wurden. Denn die Gäste, die ebenfalls nicht in Bestbesetzung antreten konnten, zeigten eine beherzte Vorstellung und forderten den Hausherren alles ab.

Dass in erster Linie nur der Sieg zählt, machte Chris Ensminger bei der abschließenden Pressekonferenz deutlich: „Das war heute ein sehr wichtiger Arbeitssieg für uns. Uns allen fällt eine schwere Last von den Schultern, denn nach den beiden knappen Niederlagen standen wir mächtig unter Druck. Umso mehr freue ich mich für das gesamte Team und auch für unsere tollen Fans, dass wir diese schwierige Situation gemeinsam gemeistert haben. Natürlich hoffe ich, dass wir die positiven Dinge mitnehmen und wieder eine Serie starten können!“

Zu den „positiven Dingen“ zählte letztlich vor allem die Tatsache, dass die Rockets die Zahl der Ballverluste im Vergleich zu den zurückliegenden Begegnungen deutlich minimieren konnten. Lediglich sechs Turnover standen unterm Strich zu Buche – weniger als je zuvor in dieser Saison. Zudem konnten die Gothaer einmal mehr in der Defense überzeugen und eine der besten Offense-Mannschaften der Liga bei 64 Punkten halten.

Das nächste Hindernis gilt es am kommenden Samstag zu meistern. Dann steht die Partie bei den finke baskets in Paderborn auf dem Programm (Tip-Off: 19.30 Uhr). Dort wollen die Rockets im vierten Anlauf den ersten Auswärtssieg des Jahres 2015 einfahren und sich für die denkbar knappe Niederlage vom Saisonauftakt revanchieren, als den finke baskets mit der Schlusssirene der Siegtreffer glückte.

Oettinger Rockets Gotha – Kirchheim Knights 72:64 (33:32)

Viertel: 16:20 / 17:12 (33:32) / 18:17 (51:49) / 21:15 (72:64)

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (34:32 / 16 Punkte / 7 Assists / 4 Rebounds), Kreis (nicht eingesetzt), Kuppe (25:32 / 13 / 0 / 3), Völler (16:52 / 2 / 1 / 1), Hoffmann (8:02 / 4 / 1 / 1), Fülle (11:39 / 6 / 1 / 3), Harris (16:06 / 4 / 0 / 7), Vest (20:48 / 2 / 1 / 2), Reinke (25:32 / 13 / 2 / 3), Lösing (19:10 / 10 / 1 / 2), Razis (21:47 / 2 / 1 /0)

Kirchheim Knights: Tomasevic (19:57 Minuten / 13 Punkte / 0 Assists / 0 Rebounds), Krause (13:52 / 0 / 0 / 0), Beran (36:08 / 18 / 2 / 7), Wolf (12:32 / 4 / 0 / 3), Mampuya (nicht eingesetzt), Heintzen (1:17 / 0 / 0 / 1), Lodders (31:57 / 9 / 0 / 8), Smithson (34:54 / 13 / 3 / 4), Dority (21:28 / 5 / 1 / 0), Sensley (28:15 / 2 / 1 / 7)

Zweier Gotha: 15 von 31 (48 Prozent)

Zweier Kirchheim: 17 von 40 (43 Prozent)

Dreier Gotha: 7 von 25 (28 Prozent)

Dreier Kirchheim: 6 von 19 (32 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 21 von 28 (75 Prozent)

Freiwürfe Kirchheim: 12 von 14 (86 Prozent)

Rebounds Gotha: 30 (9 Offense / 21 Defense)

Rebounds Kirchheim: 43 (15 Offense / 28 Defense)

Assists Gotha: 15

Assists Kirchheim: 7

Ballverluste Gotha: 6

Ballverluste Kirchheim: 17

Ballgewinne Gotha: 7

Ballgewinne Kirchheim: 1

Zuschauer: 1697

Boxscore.

Internetseite der Kirchheim Knights.