Großartiger Fight ohne Happy End

Insgesamt viermal standen sich die Oettinger Rockets Gotha und RASTA Vechta in der 2. Basketball-Bundesliga ProA bis dato gegenüber. Zweimal triumphierten die Niedersachsen, zweimal die Thüringer: Doch jedes Mal feierten die Fans beider Seiten vorab und während der Partie ein Fest auf die Freundschaft, die seit dem gemeinsamen Aufstieg im Jahr 2012 gepflegt und kultiviert wird. Einhelliger Tenor auf den Rängen: „Möge der Bessere gewinnen!“

Ob RASTA Vechta heute, beim fünften Aufeinandertreffen in der ProA, in der Tat die bessere Mannschaft war, lässt sich nicht mit allerletzter Gewissheit sagen. Fest steht hingegen: Die Gäste hatten in der fast ausverkauften „Blauen Hölle“ das bessere Ende auf ihrer Seite.

In einer abwechslungsreichen, spannenden und stimmungsvollen Begegnung behielt der Tabellenzweite aus Norddeutschland letztlich mit 72:65 (35:33) die Oberhand. Somit fügte das Team um den ehemaligen Gothaer Chase Griffin (2012 bis 2014) den Rockets die erste Heimniederlage der laufenden Saison bei, die zugleich die zweite Niederlage in Folge markiert. Deshalb rangiert das BiG-Team nach dem zweiten Doppel-Spieltag der Hauptrunde auf Rang vier.

Ungeachtet dessen ärgerte sich Head Coach Chris Ensminger am Ende der Partie weniger über die Niederlage gegen Vechta. Eher haderte er mit dem Ausgang des Spiels am Freitag in Paderborn: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft, wir haben heute sehr gut gekämpft und stark verteidigt: Vechta hat die beste Offense der Liga – diese Mannschaft markiert im Schnitt 82 Punkte, heute waren es 10 weniger. Ich bin mir sicher: Wenn wir am Freitag so engagiert zu Werke gegangen wären wie heute, dann hätten wir in Paderborn gewonnen…“

Bei der Neuauflage des Duells zwischen den Rockets und RASTA erwischten die Hausherren eindeutig den besseren Start. Nach viereinhalb Minuten führten sie mit 8:0. Maßgeblichen Anteil daran hatte Center Delvon Johnson, der die ersten sechs Punkte für die Gothaer markierte und es gleich zu Beginn zweimal gewaltig krachen ließ. Wenig später versenkte Carlton Guyton den ersten Dreier (11:2 / 5.). Nach zwei verwandelten Freiwürfen von Kapitän Marco Völler lagen die Gothaer bereits in der 8. Minute erstmals zweistellig in Führung (18:8). Es lief wie am Schnürchen, die „Blaue Hölle“ bebte.

Doch wer dachte, die Rockets könnten einen ähnlich souveränen Start-Ziel-Sieg herausspielen, wie ihnen das zuletzt gegen die Bayer Giants Leverkusen gelang, hatte die Rechnung zu früh und ohne RASTA gemacht. Während die Gothaer dem höllischen Tempo aus dem ersten Durchgang ein wenig Tribut zollen mussten, kämpften sich die Gäste Stück für Stück ins Spiel. Eine Tugend, die RASTA-Coach Andreas Wagner nach der Partie als wegweisend hervorhob: „Wir haben heute gewiss nicht unser bestes Spiel gezeigt, aber die Einstellung hat gestimmt: Nach dem verschlafenen ersten Viertel haben wir die Partie über den Willen gedreht. Deshalb muss ich meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen!“

So verkürzten die Vechtaer den Rückstand im zweiten Viertel Punkt für Punkt. Quasi mit der Halbzeitsirene gingen sie erstmals in diesem Spiel in Führung (35:33) – und gaben sie im Anschluss nicht mehr aus der Hand. Zupass kam ihnen dabei dabei, dass sie sehr oft an die Linie durften und ihre Freiwürfe sicher verwandelten. Allein in diesem Spielabschnitt trafen sie 14 von 16 Freiwürfen – die Gothaer kamen im gleichen Zeitraum nur auf zwei Versuche und einen Treffer von der Linie.

Nach dem Seitenwechsel legten die Gäste innerhalb von zweieinhalb Minuten einen 12:0-Lauf hin und zogen auf 43:33 davon. Zwar kontrollierten sie die Begegnung in der Folge bis zum Stand von 64:52 (35.), doch eine Vorentscheidung war das noch nicht. Denn die Rockets steckten zu keinem Zeitpunkt auf und kämpften bravourös: Mit einem 7:0-Run kamen sie wieder auf Schlagdistanz heran (59:64 / 37.).

Und es sollte noch enger werden: Nachdem Max DiLeo zwei Freiwürfe verwandelt hatte, erzielte Chris Razis zu Beginn der Schlussminute mit einem Korbleger die Punkte zum 65:66.

Doch just in der Crunch-Time gab dann die größere Erfahrung den Ausschlag: Zunächst traf Vechtas Derrick Allen den vielleicht wichtigsten Wurf des Abends zum 65:68, ehe seine Teamkollegen Carlos Medlock und Chase Griffin von der Freiwurflinie alles klar machten.

Als Schlüssel zum Erfolg machte Gäste-Coach Andreas Wagner die hervorragende Freiwurfquote aus, „die in so einem engen Spiel das Zünglein an der Waage ist“. So verwandelten seine Schützlinge insgesamt 28 von 31 Versuchen (90 Prozent) – die Rockets kamen hingegen lediglich auf 9 Treffer bei 15 Versuchen (60 Prozent).

„Aus solchen Spielen müssen wir lernen – wir haben ein sehr junges Team mit sieben Rookies, das sich heute gegen eine hervorragend besetzte und sehr erfahrene Mannschaft gut verkauft hat“, sagte Head Coach Chris Ensminger. „Deshalb können wir den nächsten Aufgaben optimistisch entgegenblicken!“

Apropos: Am kommenden Samstag steht bereits das nächste Heimspiel auf dem Programm. Zu Gast in der „Blauen Hölle“ sind dann die ETB Wohnbau Baskets Essen (Tip-Off: 19 Uhr).

Oettinger Rockets Gotha – RASTA Vechta 65:72 (33:35)

Viertel: 22:12 / 11:23 (33:35) / 14:22 (47:57) / 18:15 (65:72)

Oettinger Rockets Gotha: Razis (23:35 Minuten / 6 Punkte / 3 Assists / 2 Rebounds), Guyton (27:38 / 17 / 2 / 0), Riewer (14:03 / 4 / 2 / 0), DiLeo (19:25 / 7 / 3 / 0), Durant (nicht eingesetzt), Dejworek (nicht eingesetzt), Lodders (15:37 / 0 / 0 / 3), Woods (20:14 / 0 / 1 / 2), Johnson (30:07 / 10 / 0 / 9), Lawson (20:45 / 11 / 0 / 5), Völler (10:37 / 6 / 1 / 2), Gomila (17:59 / 4 / 2 / 3)

RASTA Vechta: Medlock (31:48 Minuten / 14 Punkte / 5 Assists / 3 Rebounds), Reid (2:37 / 1 / 2 / 0), Griffin (24:47 / 11 / 2 / 3), Dunbar (19:33 / 4 / 0 / 3), Franke (26:58 / 3 / 0 / 6), Allen (30:20 / 12 / 1 / 8), Young (20:28 / 10 / 1 / 3), Lawson (6:12 / 2 / 0 / 1), Obiango (0:20), Standhardinger (29:04 / 13 / 1 / 3), Mackeldanz (7:53 / 2 / 0 / 1)

Zweier Gotha: 22 von 40 (55 Prozent)

Zweier Vechta: 13 von 31 (42 Prozent)

Dreier Gotha: 4 von 17 (24 Prozent)

Dreier Vechta: 6 von 21 (29 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 9 von 15 (60 Prozent)

Freiwürfe Vechta: 28 von 31 (90 Prozent)

Rebounds Gotha: 33 (9 Offense / 24 Defense)

Rebounds Vechta: 35 (10 / 25)

Assists Gotha: 14

Assists Vechta: 12

Ballverluste Gotha: 18

Ballverluste Vechta: 18

Ballgewinne Gotha: 4

Ballgewinne Vechta: 4

Zuschauer: 1805

Spielbericht von RASTA Vechta.