Gießen macht Gotha einen Strich durch die Serie

Dreimal haben die Oettinger Rockets Gotha im Verlauf dieser Saison schon drei Siege am Stück eingefahren. Doch der vierte Erfolg in Folge ist ihnen auch beim neuerlichen Anlauf nicht geglückt. Das Team von Head Coach Chris Ensminger musste sich gestern Abend in der fast ausverkauften „Blauen Hölle“ dem Tabellenvierten Gießen 46ers mit 70:84 (38:36) geschlagen geben. Mit einer – nunmehr wieder – ausgeglichenen Bilanz liegen die Gothaer jedoch weiterhin auf Rang zehn und bleiben auf Tuchfühlung zu den Playoff-Plätzen.

„Glückwunsch an Denis Wucherer und seine Mannschaft! Gießen war heute über das gesamte Spiel gesehen die bessere Mannschaft und hat deshalb völlig verdient gewonnen“, sagte Chris Ensminger bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Begegnung. Zugleich machte er unmissverständlich deutlich, warum sein Team am Ende auf verlorenem Posten stand: Denn einmal mehr ließen die Rockets schlicht die nötige Konstanz vermissen. Das spiegelte sich vor allem in den letzten fünf Minuten des dritten Viertels wider. In dieser Phase markierte Gießen 19 Punkte und zog von 40:42 (25.) auf 59:50 (30.) davon – das zuvor ausgeglichene Spiel mit leichten Vorteilen für die Rockets kippte. Das war nicht zuletzt deshalb der Fall, weil es die Hausherren in der gesamten zweiten Hälfte auf zwölf Ballverluste und lediglich drei Assists brachten. Hingegen kamen die Gäste, die abermals auf ihren verletzten Top-Scorer Myles Hesson verzichten mussten, in diesem Zeitraum nur auf vier Ballverluste, aber acht Assists. Folglich blieb Chris Ensminger letztlich nur die Feststellung: „Mit solchen Statistiken kannst du ein Spiel nicht gewinnen – erst recht nicht gegen so ein starkes Defense-Team wie Gießen!“

Dabei erwischten die Rockets einen vielversprechenden Start. Nachdem Benjamin Lischka, am Ende mit 17 Zählern Gießens Top-Scorer, die ersten Punkte der Partie – zugleich die einzige Gäste-Führung in der ersten Halbzeit – erzielt hatte, legten die Gothaer einen 7:0-Lauf hin. Vor allem Leo Niebuhr (10 Punkte im ersten Viertel) und Chase Griffin (8 Punkte im ersten Viertel) waren in den Anfangsminuten nicht zu stoppen.

Dass die Hessen in dieser Phase nicht viel deutlicher in Rückstand gerieten, verdankten sie vor allem ihrer starken Rebound-Arbeit. Symptomatisch dafür waren bereits Benjamin Lischkas Punkte zum 4:7, denen zwei Offensiv-Rebounds vorausgingen. „Ich bin sehr froh, dass unsere großen Spieler vor dem Seitenwechsel so gut gearbeitet haben und wir zur Pause nur mit zwei Punkten hinten lagen“, sagte 46ers-Coach Denis Wucherer und benannte zudem „seinen“ Schlüssel zum Erfolg: „Nach der Halbzeit haben wir Chase Griffin einen Kettenhund verpasst – Anthony Di Leo hat das wirklich sensationell gemacht. Er hat Chase abgemeldet!“

Letztlich war Chase Griffins Leistung ein Spiegelbild für das gesamte Gothaer Spiel: Mit 100 Prozent Trefferquote (3 Dreier / 2 Zweier / 2 Freiwürfe) vor der Pause der überragende Mann auf dem Parkett, konnte der Ex-Gießener nach dem Seitenwechsel nicht an den Gala-Auftritt aus den ersten beiden Abschnitten anknüpfen.

Dennoch: Mit etwas mehr Konzentration und Glück hätten es die Gothaer im letzten Durchgang noch einmal spannend machen können. Doch immer dann, wenn wieder Hoffnung aufkam, etwa nach den erfolgreichen Drei-Punkt-Würfen des starken Dmitrij Kreis (53:61 / 32. und 58:66 / 34.), unterlief ihnen im Eifer des Gefechts entweder ein Fehler oder aber Gießen hatte eine passende Antwort parat. Deshalb gelang es den bis zur letzten Sekunde unermüdlich kämpfenden Rockets nicht, das Husarenstück aus dem Hinspiel zu wiederholen. Damals hatten sie im Schlussviertel einen 17-Punkte-Rückstand aufgeholt und die Partie schließlich in der Verlängerung gewonnen. Nun gelang Gießen die avisierte Revanche für die Niederlage im Dezember, die Denis Wucherer „mehr als eine schlaflose Nacht beschert hatte“.

„Aber ich denke, das geht am Ende auch in Ordnung, dass Chris und ich in diesem Duell jeweils einen Sieg verbuchen konnten – es ist ja für uns beide die erste Saison als Cheftrainer“, sagte Denis Wucherer, der wie Chris Ensminger viele Jahre als Spieler in der BEKO-BBL am Ball war, ehe er eine Laufbahn als Trainer startete. Sein Kollege pflichtete ihm mit einem Nicken bei.

Wie angekündigt war Rockets-Neuzugang Marvin Boadu gestern noch nicht mit von der Partie. Er saß jedoch auf der Bank und bekam einen Vorgeschmack auf die sensationelle Stimmung in der „Blauen Hölle“. Die Rockets-Fans bereiteten ihm eine ebenso persönliche wie euphorische Begrüßung mit stehenden Ovationen.

Seinen ersten Einsatz für Gotha wird Marvin Boadu aller Voraussicht nach am kommenden Samstag bestreiten. Dann steht das Auswärtsspiel bei Tabellennachbar rent4office Nürnberg auf dem Programm – und wenn’s nach dem Willen der Rockets und ihrer Fans geht auch der Beginn einer neuen Serie.

Oettinger Rockets Gotha – Gießen 46ers 70:84 (38:36)

Viertel: 22:18 / 16:18 / 12:23 / 20:25

Oettinger Rockets Gotha: Johnson (12 Punkte / 2 von 3 Freiwürfen), Griffin (18 / 2 von 2 / 2 Dreier), Reilly, Niebuhr (10), Kreis (9 / – / 3), Fraser (8 / 2 von 2), Heberlein, Warech (8 / 4 von 4), Baker (3 / 1 von 2), Selvig (2)

Gießen 46ers: Saibou (12 / 2 von 4 / 2), Bennett (14 / 8 von 10), Hesson (nicht eingesetzt), Agne (16 / – / 4), Di Leo (12 / 3 von 4 / 1), Theilig, Lischka (17 / 3 von 5 / 2), Malu (6 / 2 von 2), Chubb (7 / 1 von 2)

Zweier Gotha: 22 von 42 (52 Prozent)

Zweier Gießen: 19 von 50 (38 Prozent)

Dreier Gotha: 5 von 14 (36 Prozent)

Dreier Gießen: 98 von 17 (53 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 11 von 13 (85 Prozent)

Freiwürfe Gießen: 19 von 27 (70 Prozent)

Rebounds Gotha: 34 (6 Offense / 28 Defense)

Rebounds Gießen: 38 (15 / 23)

Assists Gotha: 12

Assists Gießen: 14

Ballverluste Gotha: 19

Ballverluste Gießen: 7

Ballgewinne Gotha: 0

Ballgewinne Gießen: 6

Zuschauer: 1604

Facebook-Bilder-Galerie zum Spiel gegen die Gießen 46ers.

Spielbericht der Gießen 46ers.