Geschick, Glück und ein Genie namens Joe

„Vielen Dank, dass Sie heute da waren, wir sehen uns dann am Sonntag in der ,Blauen Hölle’ wieder!“ Mit diesen Worten beendete Astrid Kollmar am vergangenen Donnerstag die gemeinsame Pressekonferenz der Oettinger Rockets Gotha und der Messe Erfurt GmbH, anschließend blickte sie mit einem zuversichtlichen Lächeln in die Runde. Zu diesem Zeitpunkt war zwar noch offen, ob es tatsächlich ein entscheidendes fünftes Spiel gegen die Hamburg Towers in der „Blauen Hölle“ geben würde. Doch die BiG-Präsidentin sollte Recht behalten!

Denn die Rockets haben es geschafft: Das Team von Head Coach Chris Ensminger gewann gestern Abend das vierte Playoff-Spiel der Viertelfinal-Serie bei den Hamburg Towers mit 70:66 (29:37), wehrte somit den zweiten Matchball der Hanseaten ab und schaffte den 2:2-Ausgleich. Deshalb kommt es morgen zum Showdown in der „Blauen Hölle“ (Tip-Off: 17 Uhr). Dann heißt es für beide Teams: Do or die!

Die gestrige Playoff-Schlacht war in vielerlei Hinsicht ein Spiegelbild der gesamten Saison. Vor allem, weil die Rockets einmal mehr zwischen zwei Extremen pendelten: zwischen Genie und Wahnsinn. Wobei das Genie einen Namen hatte: Joe Lawson. Der 23-Jährige lieferte eine sensationelle Leistung ab. Unterm Strich sammelte er zwölf Rebounds ein, erzielte 23 Punkte (fünftes Double-Double der Saison), 18 davon mit erfolgreichen Dreipunkt-Würfen (6 von 9). Somit hatte er auch großen Anteil an der starken Dreier-Quote seines Teams (12 von 26 / 46 Prozent), die am Ende der Partie den (größten) Unterschied ausmachte.

Ungeachtet dessen mussten die Rockets-Fans lange zittern. Denn mal waren die Gothaer obenauf. Mal waren sie am Boden. Doch stets standen sie wieder auf, um sich am Ende selbst zu belohnen und im nunmehr vierten Anlauf (zwei Hauptrunden-Spiele / zwei Playoff-Spiele) den ersten Sieg in Hamburg feiern zu können.

So erwischten die Gäste einen guten Start und führten schnell mit 5:0 (1.), mussten dann aber einen 14:0-Lauf der heimstarken Hausherren hinnehmen und bis Mitte der zweiten Halbzeit einem Rückstand hinterherlaufen. Zwar schafften sie es ein ums andere Mal, sich wieder heranzukämpfen und die zwischenzeitlich überkochende Stimmung in der Inselpark-Halle merklich abzukühlen. Dennoch kontrollierte Hamburg das Geschehen bis kurz vor Ende des dritten Viertels.

Spätestens als Center Helge Baues sein Team mit einem erfolgreichen Sprungwurf erstmals zweistellig in Führung (54:43 / 27.) brachte, schienen die Towers dem Halbfinale viel näher als die Rockets einem Sieg. Doch einmal mehr gelang den Gothaern ein Comeback, das Chris Razis mit einem Dreier in der letzten Sekunde des dritten Viertels einläutete (50:56 / 30.) – „the Shot“ hatte bereits den ersten Abschnitt mit einem Buzzer Beater für drei beendet (14:14 / 10.).

Zu Beginn des vierten Durchgangs legte dann Joe Lawson ein imposantes 8:0-Solo – zwei erfolgreiche Dreier in Folge und ein Korbleger im Nachgang – innerhalb von 72 Sekunden hin und brachte sein Team erstmals seit den Anfangsminuten wieder in Führung (58:57 / 32.).

Doch abermals hatten die bravurös kämpfenden Towers passende Antworten parat. So verwandelte Vincent Kittmann kurz vor Ultimo zwei Freiwürfe zum 66:61 (37.).

Im Anschluss punktete dann allerdings nur noch eine Mannschaft: die aus Gotha. So versenkte Carlton Guyton anderthalb Minuten vor Schluss einen wichtigen Dreier zum 65:66, wenig später ließ Kapitän Marco Völler ein Dreipunkt-Spiel zum 68:66 folgen – zu diesem Zeitpunkt waren noch 28 Sekunden zu spielen.

Wie eng Freud und Leid am Ende beieinander lagen, wurde dann beim letzten Angriff der Towers deutlich, als sich Hamburgs Top-Scorer Bazoumana Koné (18 Punkte) verdribbelte und Jannik Lodders den Ball mit unbändigem Einsatz sichern konnte. Kurz darauf sorgte Max DiLeo mit zwei sicher verwandelten Freiwürfen für die Punkte zum 70:66 und die Krönung.

„Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Die Jungs haben heute gewiss nicht ihr bestes Spiel gemacht, aber einen grandiosen Kampf abgeliefert, immer an sich geglaubt, nie aufgegeben, über die Defense das Spiel gewonnen und den Ausgleich erzwungen“, sagte Head Coach Chris Ensminger nach der Begegnung. „Ein Schlüssel zum Erfolg war auch, dass wir einige Big Shots gemacht haben – allen voran Joe, der heute ,on fire’ war und eine unglaubliche Leistung gezeigt hat. Aber auch die beiden Buzzer Beater von Chris waren extrem wichtig, Scooties Dreier und Marcos Dreipunkt-Spiel in der Crunch-Time. Und natürlich Janniks Stop am Ende!“

Derweil mahnte Chris Ensminger mit Blick auf das morgige Spiel: „Der größte Fehler, den wir jetzt machen könnten, wäre, zu denken, dass das vor heimischer Kulisse ein Selbstläufer wird. Die Towers haben uns schon mit dem Rücken an der Wand gehabt und uns in jedem Spiel alles abverlangt. Deshalb müssen wir am Sonntag noch einmal alle Energie aufs Parkett bringen. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Fans uns wieder tragen und es in der ausverkauften ,Blauen Hölle’ lauter wird als je zuvor!“

Hamburg Towers – Oettinger Rockets Gotha 66:70 (37:29)

Viertel: 14:14 / 23:15 (37:29) / 19:21 (56:50) / 10:20 (66:70)

Hamburg Towers: Roberson (16:37 Minuten / 7 Punkte / 2 Assists / 3 Rebounds), Canty (32:19 / 7 / 4 / 5), Baues (14:08 / 2 / 0 / 4), Kiese (11:33 / 8 / 0 / 0), Kindzeka (nicht eingesetzt), Ferguson (36:01 / 7 / 1 / 10), Kittmann (24:45 / 2 / 0 / 2), Kone (33:55 / 18 / 2 / 7), Williams (30:09 / 15 / 0 / 5), Stielow (0:33)

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (32:16 Minuten / 20 Punkte / 5 Assists / 2 Rebounds), Riewer (15:59 / 2 / 2 / 2), DiLeo (24:15 / 4 / 2 / 3), Razis (24:12 / 6 / 7 / 1), Durant (5:29 / 0 / 1 / 0), Lodders (10:41 / 0 / 0 / 3), Woods (nicht eingesetzt), Johnson (25:15 / 7 / 0 / 6), Lawson (32:19 / 23 / 0 / 12), Völler (20:23 / 8 / 0 / 6), Gomila (9:11 / 0 / 1 / 0)

Zweier Hamburg: 14 von 31 (45 Prozent)

Zweier Gotha: 13 von 34 (38 Prozent)

Dreier Hamburg: 7 von 23 (30 Prozent)

Dreier Gotha: 12 von 26 (46 Prozent)

Freiwürfe Hamburg: 17 von 21 (81 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 8 von 15 (53 Prozent)

Punkte von der Bank Hamburg: 17

Punkte von der Bank Gotha: 14

Rebounds Hamburg: 36 (4 Offense / 32 Defense)

Rebounds Gotha: 36 (4 / 32)

Assists Hamburg: 10

Assists Gotha: 18

Ballverluste Hamburg: 13

Ballverluste Gotha: 10

Ballgewinne Hamburg: 7

Ballgewinne Gotha: 7

Zuschauer: 2600

Spielbericht der Hamburg Towers.

2. Bundesliga ProA – Playoff-Viertelfinale – Spiel 5

Sonntag 17.00 Uhr, Oettinger Rockets Gotha – Hamburg Towers

(Spielort: Blaue Hölle, Kindleber Straße 138, 99867 Gotha)