Gala von gestern gibt Schub für morgen

Krasser konnten die Unterschiede für die Oettinger Rockets Gotha und ihre Fans kaum sein: Im ersten Heimspiel der Saison gegen die finke baskets am vergangenen Samstag war der Ausgang der Partie bis zum bitteren Ende in der Schlusssekunde offen. Gestern nun brauchten die Gothaer ihren letzten Angriff gar nicht mehr ausspielen, weil sie sich gegen ein Top-Team der 2. Basketball-Bundesliga ProA einen äußerst komfortablen Vorsprung herausgespielt hatten. Der SC Rasta Vechta streckte vorzeitig die Waffen und gratulierte den Gastgebern bereits vor Spielende zum 74:56-Erfolg (33:32). Die Schlusssirene ging im grenzenlosen Jubel unter.

Während die Freude über den ersten Saisonsieg im Lager der Rockets riesig war, hielt sich die Enttäuschung über die Niederlage bei den rund 80 Anhängern der Gäste in Grenzen. Denn einerseits erkannten sie die Überlegenheit der Hausherren nach dem Seitenwechsel neidlos an. Andererseits zelebrierten Vechtaer und Gothaer nach dem Ende der Partie ihre Fan-Freundschaft, die im gemeinsamen Playoff-Finale der ProB (2012) ihren Ursprung hat und seither gepflegt wird. Deshalb wurde auch gestern gemeinsam gefeiert, gesungen und gelacht.

Der Schlüssel zum überraschend deutlichen Erfolg in der ausverkauften „Blauen Hölle“ war eine imposante Teamleistung und ein überragendes drittes Viertel. Nachdem sich beide Seiten im ersten Abschnitt einen offenen Schlagabtausch mit sehr hoher Intensität und vielen spektakulären Szenen geliefert hatten, zündeten die Rockets zu Beginn der zweiten Halbzeit den Turbo. Zwar erzielte Chase Griffin an seiner alten Wirkungsstätte die ersten Punkte nach dem Seitenwechsel. Doch das 34:33 (21.) war zugleich die letzte Führung für die Gäste in dieser Begegnung.

Anschließend ging es Schlag auf Schlag. Das Startsignal zur Attacke gab der erneut glänzend aufgelegte Will Reinke mit einem krachenden Dunk zum 37:34 (22.). Anschließend sammelte der Center, der mit 16 Punkten zum Top-Scorer der Partie avancierte, auf der anderen Seite des Feldes einen wichtigen Rebound ein. Den folgenden Angriff vollendete Marco Völler zum 39:34 (23.). Rastas Head Coach Steven Arigbabu nahm eine Auszeit. Doch die Gothaer ließen sich nicht beirren und legten konsequent nach. Mit jeder erfolgreichen Aktion erhöhte sich ihr Selbstvertrauen. Zudem erreichte der Stimmungspegel höllische Höchstwerte.

Innerhalb von knappen zwei Minuten hatten die Gothaer einen 10:0-Lauf hingelegt (43:34 / 24.) und die Weichen unwiderruflich auf Sieg gestellt. Doch die vielleicht stärksten Minuten des Spiels sollten noch kommen. Denn nachdem Vechta den Run der Rockets unterbrechen konnte (43:36 / 26.), war es abermals Will Reinke, der mit einem spektakulären Tip-In zum 45:36 (26.) antwortete. Die erste zweistellige Führung erzielte wenig später Carlton Guyton (47:36 / 28.). Für den krönenden Abschluss der atemberaubenden Vorstellung im dritten Viertel war indes Albert Kuppe zuständig. „AK 47“ versenkte zwei Dreier in Folge (50:36 / 53:36) und verzückte Chris Ensminger mit diesem Doppelschlag: „Das waren zwei Big Shots!“

Letztlich entschieden die Rockets den dritten Abschnitt mit 23:8 für sich und somit auch das Spiel. Ungeachtet dessen drohte dem Gegner, der von vielen Experten zu den heißen Aufstiegsanwärtern gezählt wird, im Schlussdurchgang eine Demontage. Denn die Rockets ließen nicht nach und bauten die Führung weiter aus. Drei Minuten vor Schluss lagen sie mit 27 Punkten (74:47) in Front. Erst in der Schlussphase konnte Vechta Ergebniskosmetik betreiben.

„Wir wussten, dass uns hier ein sehr starker Gegner erwartet, aber natürlich hatten wir uns eine Chance ausgerechnet. Doch mit so einem dritten Viertel kann man einfach nicht gewinnen, dann verliert man verdient: Glückwunsch an Chris und sein Team“, sagte Rastas Head Coach Stephen Arigbabu nach dem Spiel. In seinen Worten spiegelte sich sehr viel Wertschätzung für die Leistung der Gothaer Mannschaft und die Performance aller Fans wider.

Seinem Kollegen Chris Ensminger stand sowohl die Freude als auch die Erleichterung über den ersten Erfolg der Saison ins Gesicht geschrieben: „Das war ein sehr, sehr wichtiger Sieg für uns. Ich freue mich für das gesamte Team, das einen sehr guten Job gemacht hat, und auch für die Fans, die uns einmal mehr beflügelt haben. Sie haben sehr großen Anteil daran, dass wir nach der bitteren Niederlage gegen Paderborn heute so ein furioses Comeback feiern konnten!“

Viel Zeit zum Feiern blieb der Mannschaft gestern nicht. Schließlich steht morgen bereits das nächste Spiel auf dem Programm. Dann müssen die Rockets bei Bike-Cafe Messingschlager Baunach antreten (Tip-Off: 19.30 Uhr). Der Aufsteiger ist mit zwei deutlichen Siegen in die Saison gestartet. Chris Ensminger rechnet mit einem harten Stück Arbeit. Er ist sich aber sicher, dass das triumphale Erfolgserlebnis von gestern einen zusätzlichen Schub für morgen gibt: „Unser Ziel ist es, von Spiel zu Spiel besser zu werden. Wenn uns das auch in Baunach gelingt, haben wir gute Chancen!“

Derweil wird auch David Watson die Gala gegen Vechta gewiss in guter Erinnerung bleiben. Dem Shooting Guard, der drei Jahre für das BiG-Team spielte und jetzt zur BG Karlsruhe wechselt, wurde gestern ein sehr herzlicher Abschied bereitet. Als die Rockets sich auf die erste Sieger-Humba der Saison 2014/2015 einstimmten, wurde „DJ“ aufs Parkett geholt, von jedem Spieler umarmt, von den Fans mit reichlich Applaus bedacht und schlussendlich noch einmal in ein Freundtänzchen involviert.

Oettinger Rockets Gotha – SC Rasta Vechta 74:56 (33:32)

Viertel: 17:19 / 16:13 / 23:8 / 18:16

Oettinger Rockets Gotha: Guyton (9 Punkte / 1 von 2 Freiwürfen), Gausa (6), Fülle (4), Harris (11 / 5 von 6), Baker, Vest (2), Völler (9 / – / 1 Dreier), Reinke (16 / 2 von 2), Lösing (11 / 2 von 2 / 1), Kuppe (6 / – / 2), Hoffmann

SC Rasta Vechta: Smit (3 / – / 1), Smith, Friedel (5 / 1 von 2), Griffin (11 / – / 1), Jarchow, Carraway (4), Franke (14 / 4 von 4), Weber, Bailey (13 / 1 von 2), Lawson (4), Obiango, Mackeldanz (2 / 2 von 2)

Zweier Gotha: 25 von 45 (56 Prozent)

Zweier Vechta: 21 von 45 (47 Prozent)

Dreier Gotha: 4 von 19 (21 Prozent)

Dreier Vechta: 2 von 22 (9 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 12 von 14 (86 Prozent)

Freiwürfe Vechta: 8 von 10 (80 Prozent)

Rebounds Gotha: 39 (9 Offense / 30 Defense)

Rebounds Vechta: 41 (13 / 28)

Assists Gotha: 16

Assists Vechta: 10

Ballverluste Gotha: 10

Ballverluste Vechta: 16

Ballgewinne Gotha: 6

Ballgewinne Vechta: 1

Zuschauer: 1750 (ausverkauft)

Spielbericht des SC Rasta Vechta mit humorvoller Überschrift.