Erst top, dann Flop

Das erste Auswärtsmatch des ProA-Doppelspieltages können die Oettinger Rockets abhaken. Von den Crailsheim Merlins wurden die Gäste aus Thüringen am Freitag Abend mit 83:67 regelrecht entzaubert. Maßgeblichen Anteil daran hatte Stevie Johnson, der mit 29 Punkten und einem Effektivitätswert von 37 der herausragende Spieler der Partie war.

Entscheidend für die Niederlage der Rockets war außerdem, dass die Crailsheimer Spieler das Konzept ihres Trainers Willie Young bestens verinnerlicht hatten – und das hieß: „Haltet Griffin aus dem Spiel!“ Von Beginn an wurde Gothas bester Scorer eng verteidigt, vor allem Yorman Polas Bartolo klebte an Griffin wie eine Klette und ließ ihm keinen Zentimeter Raum für freie Würfe. Lediglich vier Punkte standen am Ende für Chase Griffin auf dem Protokoll.

Dabei gelang es den Rockets lange Zeit, auch ohne seine Punkte zu bestehen. Nachdem sie zum Ende des ersten Viertels mit 20:14 in Rückstand geraten waren, zeigten sie im zweiten Abschnitt eine herausragende Teamleistung. Derek Selvig eröffnet das Viertel mit einem Dreier (11. Minute), kurz darauf legt Jan Lipke noch einen Distanzwurf nach und schießt die Rockets wieder in Führung (13./22:24). Punkt für Punkt kann sich die Mannschaft nun absetzen, gewinnt das Viertel deutlich mit 24:12 Punkten und verabschiedet sich mit einer 6-Punkte-Führung in die Halbzeitpause.

Die Gothaer Fans – ob vor Ort in Crailsheim oder beim Public Viewing im „Londoner English Pub“ – sind zu diesem Zeitpunkt guter Hoffnung. Das sah doch Klasse aus! Doch auch die Fans der Rockets wissen, dass ein Basketball-Spiel erst entschieden ist, wenn die Sirene ertönt. Und sie wissen, dass gerade das dritte Viertel nicht unbedingt das beste ihrer Mannschaft ist.

Zu Beginn der zweiten Spielhälfte plätschert die Partie so dahin. Beide Teams zeigen vor allem in der Offensive Konzentrationsschwächen. Geschlagene zwei Minuten effektiver Spielzeit dauert es, bis mal wieder ein Ball den Weg durch das Netz findet – bezeichnender Weise von Stevie Johnson, der anscheinend keine Lust auf eine Heimniederlage hat und einfach mal anfängt zu scoren. Allein 13 Punkte legt er im dritten Viertel auf und bringt nahezu im Alleingang die Merlins wieder in Front. Die Rockets finden in dieser Phase keinen Gegenzauber für Johnson, sie bekommen ihn einfach nicht in den Griff. Der Bruch, den das Rockets-Spiel jetzt erleidet, ist offensichtlich. Die Gothaer sind ratlos – ihre Körpersprache spricht Bände. Wenige Sekunden vor der letzten Viertelpause verpassen die Rockets durch einen geblockten Wurf und einen anschließenden Ballverlust die Gelegenheit, den Merlins knapp auf den Fersen zu bleiben (29., 55:51). Stattdessen erhöhen die Gastgeber noch mal um zwei Punkte zum Spielstand von 57:51.

Mit mentalem Vorsprung geht das Crailsheimer Team nun ins Schlussviertel – und auf einmal sitzen die Würfe, die vorher noch auf dem Ring tanzten. Zwar können Fraser, Lipke, Warech und Griffin den Abstand immer mal ein wenig verkürzen, doch gegen die immer befreiter aufspielenden Gastgeber sind sie letztendlich machtlos. Der Vorsprung wächst, vier Minuten vor dem Ende sind es bereits zehn Punkte (36., 69:59). Während die Fans in der HAKRO Arena schon feiern, müssen die Rockets sich damit abfinden, dass zu Allerheiligen in Crailsheim nichts zu holen sein wird.

Natürlich war Headcoach Chris Ensminger nach der verlorenen Partie nicht zufrieden: „Bis zur Halbzeit war alles prima. Wir haben Crailsheim bei 32 Punkten gehalten, das war sehr gut und entsprach genau unserem Gameplan. Doch Mitte des dritten Viertels hatten wir einen Bruch im Spiel, die Konzentration ließ nach und wir haben nicht gut verteidigt. Der Gegner hatte einfach zu viel Platz unterm Korb. Diese Phase hat uns den Sieg gekostet.“

Der Co-Trainer der Merlins, Darren Stackhouse, war hingegen voll des Lobes für sein Team: „Mit einer ganz starken Defense haben wir Chase Griffin ausgeschaltet – das war ein ganz entscheidender Faktor.“

Nachdem die Rockets heute Vormittag in Ulm das gestrige Spiel analysiert und ausgewertet haben, steht am Nachmittag ein leichtes Training auf dem Programm. Morgen früh bereiten Chris Ensminger und Stephan Völkel dann die Mannschaft gezielt auf den nächsten Gegner, die Kirchheim Knights, vor. Um 17.00 Uhr beginnt in Kirchheim die Partie der „Ritter“ gegen die Oettinger Rockets Gotha. Die besseren Karten dürfte Kirchheim haben, die sich am Freitag auswärts gegen Ehingen durchsetzen konnten. Aber vielleicht hat das Team dabei auch Kräfte gelassen…? Wir werden’s sehen.

Lob und Dank soll an dieser Stelle an das Team von Merlins TV gehen, die einen hervorragenden Livestream präsentiert haben, sowohl technisch als auch inhaltlich. Fachlich korrekt und weitestgehend neutral kommentiert, war es für die Gothaer Fans eine echte Freude, gemeinsam das Auswärtsspiel ihrer Rockets verfolgen zu können. Danke nach Crailsheim, danke auch dem „Londoner English Pub“ in Gotha, der nicht nur Location und Equipment zur Verfügung gestellt, sondern auch die Kosten für das Live-Angebot übernommen hat.

Crailsheim Merlins – Oettinger Rockets Gotha 83:67 (32:38)

Viertel: 20:14 / 12:24 / 25:13 / 26:16

Oettinger Rockets Gotha: Johnson (3 Punkte / 1 Dreier), Lipke (17 / 1), Griffin (4 / 2 von 2 Freiwürfen), Watson (nicht eingesetzt), Reilly (nicht eingesetzt), Niebuhr (9 / 1 von 2), Kreis (1 / 1 von 2), Fraser (12 / 1 von 1), Heberlein, Warech (10), Baker (4), Selvig (7 / 1 von 2 / 2)

Crailsheim Merlins: Crow, Karamatskos, Medlock (17 / 7 von 10 / 2), Exler (nicht eingesetzt), Heinrich, Polas Bartolo (8 / 2 von 2), Friedel (5 / 1), Kronhardt (5 / 1 von 1), Tetzner (4 / 2 von 3), Moore (15 / 1 von 1), Ivanov (nicht eingesetzt), Johnson (29 / 5 von 9)

Dreier Gotha: 4 von 18 (22 Prozent)

Dreier Crailsheim: 3 von 22 (14 Prozent)

Freiwürfe Gotha: 5 von 9 (56 Prozent)

Freiwürfe Crailsheim: 18 von 26 (69 Prozent)

Rebounds Gotha: 39 (11 Offense / 28 Defense)

Rebounds Crailsheim: 43 (12 / 31)

Assists Gotha: 18

Assists Crailsheim: 12

Turnover Gotha: 14

Turnover Crailsheim: 7

Zuschauer: 1.300

Zur Website der Crailsheim Merlins.

Zur Website der Kirchheim Knights.