Der Star ist die Mannschaft mit Joleik und „Locke“

Drei Spielzeiten in Folge hat Joleik Schaffrath keine einzige Partie verpasst. Zuletzt aber durfte der Power Forward der Oettinger Rockets Gotha 20 Begegnungen in Folge nicht ran – die Gesundheit spielte nach einer Borreliose-Infektion nicht mit.

Doch das ist seit gestern Geschichte: Nach 133 Tagen Zwangspause gab der 2,06-Meter-Mann, der vor der Saison vom Liga-Konkurrenten BV Chemnitz 99 nach Gotha kam, sein Comeback. Punkt 19.20 Uhr, zu Beginn des zweiten Viertels, betrat Joleik Schaffrath das Spielfeld in der „Blauen Hölle“, begeleitet von frenetischem Applaus der 1447 Rockets-Fans und We-like-Joleik-Rufen. Keine 30 Sekunden später angelte er sich seinen ersten Defensiv-Rebound seit dem 29. September 2012, kurz darauf spielte er einen Assist auf Derek Selvig, später blockte er noch einen Wurf. Mit diesen Duftmarken leistete der 24-Jährige auf Anhieb einen wichtigen Beitrag zum fünften und zugleich höchsten Heimsieg der Saison.

Denn Joleik Schaffrath und seine Teamkollegen behielten im wichtigen Spiel gegen die Kirchheim Knights die Nerven und mit 107:97 (52:46) die Oberhand. Durch diesen Erfolg zog der Aufsteiger in der Tabelle am gestrigen Gegner vorbei, der in der Vorsaison immerhin im Playoff-Finale der ProA gestanden und zuletzt drei Siege in Serie gelandet hatte. Nunmehr belegen die Gothaer den 13. Platz: maximal zwei Siege von einem Playoff-Platz entfernt, aber auch nur eine Niederlage von einem Abstiegsplatz. Dieser Aspekt verdeutlicht, wie ausgeglichen es in dieser Saison in der Liga zugeht. Und wie eng am Ende der Spielzeit Erfolg und Misserfolg  beieinander liegen können. Deshalb überwog gestern bei aller Euphorie das Motto: „Kurz und ausgelassen freuen und feiern. Dann volle Konzentration auf den nächsten Gegner!“

„Ein Glück, dass ich wieder dabei sein kann“, sagte Joleik Schaffrath nach der umkämpften Partie. „Defensiv lief’s schon ganz ordentlich, offensiv noch nicht richtig rund. Aber ich bin zufrieden mit meiner Leistung und werde natürlich alles geben, damit ich mich in den nächsten Spielen steigern und das Team voranbringen kann!“

Dieser imposante Teamgeist war es auch, mit dem die Rockets die Weichen auf Erfolg stellten. Dass der Star des Spiels die Mannschaft war, spiegelte sich letztlich in einem Wert der Statistik überdeutlich wider: Gotha entschied das Assist-Duell mit 26:7 für sich! Auch deshalb stand letztlich ein Team-Effektivitätswert von 128 zu Buche – neue Saisonbestmarke für den Liga-Neuling (bis dato: 109 beim Auswärtssieg gegen die ETB Wohnbau Baskets Essen).

„Dieser Teamgeist steckt in meiner Mannschaft drin – man muss ihn ,nur’ rauskitzeln und den Jungs immer wieder sagen, dass sie ihre Stärken ausspielen sollen“, sagte Rockets-Coach Christoph Nicol bei der abschließenden Pressekonferenz. „Deshalb haben wir in dieser Woche jeden Tag gepredigt: Das Zusammenspiel ist das A und O! Mit Erfolg: Offensiv war das eine ganz starke Vorstellung!“

Hingegen stellte Kirchheims Coach Branislav Ignjatovic mit Blick auf die Statistik fest, „dass wir als Team wohl nicht bereit waren, hier zu gewinnen. Wir haben zu wenig in unsere Defense investiert.“ Folglich konnten die Knights nicht an die starken Leistungen der jüngsten Spiele anknüpfen: Zuletzt hatten die Süddeutschen die Cuxhaven BasCats mit 107:77 abgeschossen, zuvor die finke baskets (87:85) und den BV Chemnitz 99 (91:74) bezwungen.

Gestern lieferten sich beide Seiten von Anbeginn einen offenen Schlagabtausch, bei dem sich zunächst keine Mannschaft entscheidend absetzen konnte und die Führung einige Male wechselte. Das änderte sich erst in der 17. Minute, als David Watson – einmal mehr Mister 100 Prozent – sich einen Defensiv-Rebound sicherte und den folgenden Angriff zum 40:39 abschloss. Fortan hatten ausschließlich die Rockets die Nase vorne.

Den entscheidenden Lauf legten die Hausherren dann Mitte des dritten Viertels hin, als sie in kurzer Zeit neun Zähler in Folge erzielten und von 59:55 (24.) auf 68:55 (26.) davonzogen. Allein sechs Punkte gingen in dieser Phase auf das Konto von Leo Niebuhr. Der Center der Rockets zeigte eine bärenstarke Leistung, die er mit zwei sehenswerten Dunkings krönte.

Allerdings gelang es den Gothaern nicht, den sinnbildlichen Sack vorzeitig zu zumachen. So kämpften sich die Knights am Ende noch einmal näher heran (99:93 / 38.), als es den Rockets und ihren Fans lieb sein konnte. Das lag nicht zuletzt an Nachlässigkeiten in der Defense, die Christoph Nicol letztlich unmissverständlich monierte: „Das darf uns einfach nicht passieren, daran müssen wir noch arbeiten!“

Überragender Akteur der Begegnung war erneut Chase Griffin. Der US-Guard war mit 28 Punkten zum sechsten Mal in Folge Top-Scorer und stellte mit einem Effektivitätswert von 34 eine neue Saisonbestmarke für die Rockets auf. Derweil erzielte Torvoris Baker mit 19 Punkten und 10 Rebounds sein viertes Double-Double in dieser Spielzeit.

Ungeachtet dessen hob Christoph Nicol in seiner Einschätzung „nur“ einen einzigen Spieler heraus: Sebastian Rauch, der sich nach den Hiobsbotschaften der abgelaufenen Woche abermals in den Dienst der Mannschaft stellte. „Locke“ gab speziell vor der Pause wichtige Impulse. So meldete er den bis dahin kaum zu bremsenden Kirchheimer Top-Scorer Justin Stommes (29 Punkte) für einige Minuten ab und erzielte mit der Halbzeitsirene seine beiden einzigen, aber sehr wichtigen Punkte.

Apropos: Die nächsten beiden Punkte können die Rockets am kommenden Sonntag einfahren. Dann müssen sie bei den MLP Academics Heidelberg antreten, gegen die sie im Hinspiel mit 93:98 nach Verlängerung verloren hatten. Eine Woche später steigt dann das mit Spannung erwartete Thüringen-Derby gegen Science City Jena in der „Blauen Hölle“, das heute schon fast ausverkauft ist.

Oettinger Rockets Gotha – VfL Kirchheim Knights 107:97 (52:46)

Viertel: 24:28 / 28:18 / 23:23 / 32:28

Oettinger Rockets Gotha: Person (2 Punkte), Griffin (28 Punkte / 8 von 8 Freiwürfen / 2 Dreier), Watson (9 Punkte / 1 Dreier), Niebuhr (20 Punkte / 2 von 2 Freiwürfen), Kreis (6 Punkte / 1 von 2 Freiwürfen / 1 Dreier), Schaffrath (0), Baker (19 Punkte / 2 von 2 Freiwürfen / 3 Dreier), Selvig (3 Punkte / 1 Dreier), Rauch (2 Punkte), Kuppe (18 / 2 von 3 Freiwürfen / 2 Dreier)

VfL Kirchheim Knights: Smallwood (4 Punkte / 2 von 2 Freiwürfen), Tomasevic (12 Punkte / 5 von 6 Freiwürfen / 1 Dreier), Burnett (2 Punkte), Alexander (14 Punkte / 4 von 5 Freiwürfen), Schneider (0), Maier (2 Punkte), Adeberg (15 Punkte / 3 von 4 Freiwürfen), Prodromou (7 Punkte / 3 von 6 Freiwürfen), Stommes (29 Punkte / 3 von 3 Freiwürfen / 4 Dreier), Brooks (12 Punkte / 2 Dreier)

Zweier Gotha: 31 von 43 (72 %)

Zweier Kirchheim: 28 von 49 (57 %)

Dreier Gotha: 10 von 20 (50 %)

Dreier Kirchheim: 7 von 21 (33 %)

Freiwürfe Gotha: 15 von 19 (79 %)

Freiwürfe Kirchheim: 22 von 26 (77 %)

Rebounds Gotha: 34 (6 Offense / 28 Defense)

Rebounds Kirchheim: 28 (11 / 17)

Assists Gotha: 26

Assists Kirchheim: 7

Turnover Gotha: 18

Turnover Kirchheim: 13

Zuschauer: 1447

BiG-Bilder-Galerie zum Spiel.

Internetseiten der VfL Kirchheim Knights.