Debakel im Derby

Das hat gerade noch gefehlt! Verbuchten die Oettinger Rockets Gotha in den ersten sieben Punktspielen der Saison 2012/2013 neben zwei Zitter-Siegen insgesamt fünf knappe und somit vermeidbare Niederlagen, so gab’s beim achten Auftritt die erste Abreibung. Ausgerechnet bei der Premiere des Thüringen-Derbys in der ProA zeigte der Aufsteiger seine bis dato schwächste Vorstellung und stand auf verlorenem Posten. Am Ende der Partie triumphierten die Hausherren mit 83:60 (51:32). Während die Stimmung im Lager der Gothaer im Keller war, kosteten die Saalestädter ihren souveränen Erfolg verdientermaßen in vollen Zügen aus.

Ausschlaggebend für die klare Niederlage: Die Rockets ließen über weite Strecken das nötige Teamplay und mithin eine erkennbare Spielstruktur vermissen. Das spiegelte sich an beiden Enden des Spielfeldes deutlich wider. In der Offense suchten die Gothaer ihr Glück immer wieder in Einzelaktionen, die zu selten zum Erfolg führten, was nicht zuletzt auf eine mäßige Trefferquote (32 Prozent) zurückzuführen war. Obendrein sahen sie in der Defense oft alt aus. So blieb Rockets-Coach Marko Simic am Ende nichts anderes übrig, als den Erfolg der Jenaer neidlos anzuerkennen.

Besonders bitter für die Gäste: Sie hatten gestern keineswegs ein Auswärtsspiel. Knapp 150 mitgereiste Rockets-Fans bestimmten lange vor Spielbeginn eindeutig das Bild und verbreiteten Heimspiel-Atmosphäre in Jena-Lobeda. Jedoch stellte sich der gewünschte Effekt der fantastischen Unterstützung nicht ein. Im Gegenteil: Die Gothaer verschliefen den Start komplett, gerieten schnell deutlich in Rückstand und fanden in der Folge kein wirksames Mittel gegen stark aufspielende Gastgeber. So führte Science City bereits nach sieben Spielminuten mit 22:6, am Ende des ersten Viertels mit 30:13.

Wer dachte, dass es im Anschluss nur besser werden kann, sah sich getäuscht. Im zweiten Spielabschnitt drohte zwischenzeitlich gar ein komplettes Desaster. Nach einem erfolgreichen Drei-Punkt-Spiel von Sanijay Watts war Jena auf 28 Punkte enteilt (44:16 / 15.). Dieser Spielstand markierte dann zwar den höchsten Rückstand im gesamten Spiel – allerdings glich dieser Fakt letztlich nicht ansatzweise einem schwachen Trost.

Denn ernsthaft in Gefahr geriet der Derby-Sieg für Science City auch nach dem Seitenwechsel nicht. Selbst in den wenigen Phasen, in denen die Gastgeber etwas nachließen, konnten die Rockets dem Spiel keine Wende geben. So blieb das mit 14:11 gewonnene dritte Viertel ein Teilerfolg ohne Wert.

So dürftig die Leistung der Gothaer Mannschaft gestern ausfiel, so überragend präsentierten sich die Fans. Sie feuerten die Rockets bis zum bitteren Ende lautstark an und sorgten mit ihrer grandiosen Performance für den einzigen Lichtblick des Derbys.

Ironie des Schicksals: Ausgerechnet Jena könnte den Rockets nun als „Vorbild“ dienen und den Weg in die Erfolgsspur weisen. Jedenfalls waren die Saalestädter vor zwei Spieltagen noch Tabellenletzter. Dann folgte ein Sieg bei den Kirchheim Knights, nun der Triumph im Derby. Für den Moment ist Science City wieder dick im Geschäft – und die Botschaft lautet: So schnell kann’s gehen in einer Liga, in der jeder jeden schlagen kann!

Am nächsten Samstag gastiert BBL-Absteiger und Spitzenreiter BG Göttingen in der „Blauen Hölle“…

Science City Jena – Oettinger Rockets Gotha 83:60 (51:32)

Viertel: 30:13 / 21:19 / 11:14 / 21:14

Oettinger Rockets Gotha: Smith (5), Griffin (10 / 1 Dreier), Watson (3 / 1 Dreier), Jackson (9), Niebuhr (13 / 12 Rebounds), Kreis (0), Lathan (11), Baker (3), Selvig (0), Lipke (6), Kuppe (0)

Science City Jena: Sim (12 / 2 Dreier), Reyes-Napoles (0), Schwartz (7), Jeka (5), Adomaitis (10), Peric (0), Barker (15), Strauß (3 / 1 Dreier), Watts (13), Roquette (13), Wysocki (5)

Zweier Gotha: 21 von 59 (36 %)

Zweier Jena: 25 von 50 (50 %)

Dreier Gotha: 2 von 14 (14 %)

Dreier Jena: 3 von 8 (37 %)

Freiwürfe Gotha: 12 von 20 (60 %)

Freiwürfe Jena: 24 von 40 (60 %)

Rebounds Gotha: 46 (15 Offense / 31 Defense)

Rebounds Jena: 45 (7 / 38)

Assists Gotha: 7

Assists Jena: 17

Turnover Gotha: 12

Turnover Jena: 14

Zuschauer: 1000

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