Oettinger Rockets wollen in Chemnitz in die Basketball-Bundesliga aufsteigen

So laut war es selten: Mit bester Play-Off-Stimmung und ganz viel Kampf setzten sich die Oettinger Rockets am vergangenen Montag in der Messe Erfurt mit 78:74 gegen die Niners Chemnitz durch. Damit steht am kommenden Mittwoch das Entscheidungsspiel im Halbfinale der 2. Basketball-Bundesliga ProA an. In der Chemnitzer Richard-Hartmann-Halle geht es dann ab 19.30 Uhr um nichts Geringeres als den Aufstieg in die erste Liga.

 

Aber der Reihe nach: Die Ausgangslage vor dem Spiel am Montag war klar. Beim Stand von 2:1 Siegen für die Niners Chemnitz hätten die Sachsen mit einem Auswärtserfolg den sprichwörtlichen Sack zumachen können: Mit 3:1 wären sie im Finale der 2. Liga und würden in der kommenden Saison in der easy-Credit BBL spielen. Bei einem Sieg der Raketen ist die Serie wieder ausgeglichen und es kommt am Mittwoch in Chemnitz zum Entscheidungsspiel um das Finale samt Aufstieg.

 

So ist es dann auch gekommen. Dennoch ist Niners-Coach Rodrigo Pastore „zufrieden mit dem Auftritt meiner Mannschaft. Das war eine stärkere Leistung als noch beim dritten Spiel in Chemnitz. Der Gegner war heute einfach besser“. Außerdem sei es ein sehr unterhaltsames Spiel für die 2700 Zuschauer gewesen. Die 400 Mitgereisten aus Sachsen dürften das bei diesem Endstand wohl etwas anders sehen. Weiter sagt der Argentinier: „Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir die Chance haben werden in einem fünften Spiel zu Hause in die BBL aufsteigen zu können – das hätte ich sofort akzeptiert!“

 

Das sieht Ivan Pavic, Head Coach der Oettinger Rockets, ganz genauso – nur mit der Einschränkung, dass er erst seit Anfang des Kalenderjahres Trainer der Raketen ist. „Diese Partie war an Spannung, Dramatik und Kampf kaum zu überbieten“, sagte er in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Pavic weiter: „Dass meine Mannschaft auch dieses Gesicht hat, wusste ich im Vorhinein. Sie hat Kampf und die richtige Einstellung gezeigt. Dennoch sind 46 Punkte zur Halbzeit zu viel.“

 

Tatsächlich legten beide Teams los wie die Feuerwehr. Allein im ersten Viertel (18:25) trafen die Gäste vier ihrer sechs Dreipunktewürfe. Zu Beginn des zweiten Spielabschnittes (32:21) zogen die Sachsen dann sogar auf elf Punkte davon. Beim Stand von 20:31 war es zugleich die höchste Führung der ganzen Partie. Die Rockets trafen dann aber sieben von neun Versuche aus dem Zweipunktebereich und Darrel Mitchell schickte Sekunden vor der Halbzeitpause in zwei aufeinanderfolgenden Angriffen zwei Dreier durch die Reuse. So erlangten die Hausherren die Führung zurück und die Zuschauer bekamen insgesamt 96 Punkte in einer Halbzeit zu sehen.

 

Das ist natürlich stets auch durch die Defensivleistung beider Mannschaften bedingt. Demzufolge fand Wolfgang Heyder, Leiter Sport und Geschäftsentwicklung bei den Rockets, die Leistung in der ersten Hälfte „überhaupt nicht gut. Wenn du 46 Punkte kassierst – das reicht einfach nicht. Wir müssen viel mehr Opfer bringen“.

 

Die zweite Halbzeit hatte dann deutlich weniger Punkte zu bieten. Beide Mannschaften kamen auf 28 Zähler. „Dass die zweite Hälfte dann kein Augenschmaus wird, war für mich absehbar“, meinte Ivan Pavic. Ob Augenschmaus oder nicht, liegt wohl ganz beim Betrachter. Denn spannend wurde es allemal. Zwar gaben die Raketen ihren kontinuierlich knappen Vorsprung im letzten Viertel nicht mehr her, dennoch stand 20 Sekunden vor Ende der Partie kein Sieger fest. Beim Stand von 75:72 versenkte Joe Lawson, der noch in der vergangenen Saison für die Oettinger Rockets spielte, einen Korbleger und verkürzte so auf einen Punkt Rückstand. Noch 17 Sekunden zu spielen: Lawson foulte Elijah Allen, der seine Freiwürfe sicher traf. Beim Stand von 77:74 war nun klar: Chemnitz braucht den Dreier für die Verlängerung. Und so war es wieder Joe Lawson, der sich acht Sekunden bevor die Sirene ertönt den Wurf nahm. Die Situation war etwas überhastet und unvorbereitet, daher verwundert es nicht, dass der Ball sein Ziel nicht fand. Anschließend gab es ein weiteres Foul an David Hicks. Der verwandelte einen von beiden Freiwürfen und so sehen sich beide Mannschaften am Mittwoch wieder.

 

Joe Lawson kam auf insgesamt 15 Punkte und acht Rebounds. Topscorer des Spiels wurde der Chemnitzer Virgil Matthews mit 16 Punkten. Bei beiden Teams konnten vier Spieler zweistellig Punkten. Das waren auf Seiten der Oettinger Rockets Darell Mitchell (14), Robert Oehle (13), Grant Gibbs (13) und David Hicks (11). Der sonst so stabile Dane Watts kam nur auf acht Punkte, weil er keinen seiner sechs Dreier traf. Sieben Rebounds gehen hingegen auf sein Konto.

 

Damit ist für Wolfgang noch Luft nach oben – auch was den Kampfgeist angeht. Der könne dann gern am Mittwoch über 100 Prozent hinauswachsen. „Wenn wir überlegen, wo wir Ende Januar standen: nicht sicher in den Play-Offs und das war auch noch relativ lange so. Wir wussten dann, dass wir im Viertel- und Halbfinale kein Heimrecht haben werden. Und dass wir jetzt in einem fünften Spiel in Chemnitz die Möglichkeit haben, in die BBL aufzusteigen – das finde ich sensationell“, so Heyder.

 

In diesem Spiel 5 der Serie will Ivan Pavic vermehrt den Korb attackieren, den freien Mann suchen und schlichtweg den Ball laufen lassen. Der Respekt vor dem Gegner ist nach wie vor groß: „Ich kann nur den Hut ziehen vor dem, was in Chemnitz passiert ist.“ Mit einem kleinen Budget haben es die Niners zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in das Play-Off-Halbfinale geschafft und spielen nun zu Hause um die 1. Liga.

 

Diese Kirsche will Pavic nicht auf die Sahne legen. Auch er will aufsteigen und denkt, „dass wir Chemnitz in Spiel 3 bereits einen kleinen Knacks verpasst haben. Heute kamen sie aber schon gut zurück“. Nun könne der kleine Knacks gern bis Mittwoch anhalten. Seine Spieler seien jedenfalls fit und verkraften die Play-Off-Belastung gut.

 

Neben sportlichen und athletischen Aspekten bringen die Play-Offs auch modische Erscheinungen mit sich. Einige Basketballer lassen sich in dieser Zeit einen Bart wachsen. So auch Ivan Pavic: „Seitdem ich Basketball spiele und seitdem ich Bartwuchs habe – und das ist schon sehr lange so – lasse ich mir immer einen Play-Off-Bart stehen und schaue aus wie ein Vollidiot. Es juckt und es kratzt, aber je länger es geht, umso besser. Von mir aus kann er mir auch bis zum Knie wachsen!“

 

Also bleibt zu hoffen, dass die Gesichtsbehaarung nicht nur bis Mittwoch hält. „Ich freue mich riesig auf das Entscheidungsspiel“, so Pavic, der jenes definitiv gewinnen will. Wer keines der begehrten Tickets für Mittwoch, 19.30 Uhr in der Hartmann-Halle bekommt, kann das Spiel im Live-Stream vom MDR verfolgen. In einem möglichen Finale würden die Rockets auf den MBC aus Weißenfels treffen.